Liebe Gartenfreunde, ich gebe zu: Als ich vor sieben Jahren mein erstes Spargelbeet anlegte, zweifelte ich. Drei Jahre warten bis zur ersten Ernte? Das schien eine Ewigkeit! Aber heute, wenn ich im Frühling die grünen Speere aus der Erde sprießen sehe, weiß ich: Jeder Moment des Wartens hat sich gelohnt.
Grüner Spargel ist unkomplizierter als sein weißer Bruder und belohnt Geduld mit jahrzehntelangem Ertrag. Ich möchte Ihnen zeigen, wie der Spargelanbau auch in Ihrem Garten gelingt.
Grüner Spargel, auch „Bleichspargel“ oder einfach „grüner Spargel“ genannt, wächst oberirdisch und entwickelt durch das Sonnenlicht seine charakteristische grüne Farbe und sein kräftigeres Aroma. Er ist robuster als weißer Spargel und braucht keine aufwändigen Erdwälle – perfekt für den Hausgarten!
Warum grüner Spargel ideal für Hobbygärtner ist
Einfacher Anbau: Keine Erdwälle nötig, keine aufwändige Ernte im Dunkeln. Der Spargel wächst einfach aus dem Boden.
Frühere Ernte: Grüner Spargel kann 2-3 Wochen früher geerntet werden als weißer.
Mehr Nährstoffe: Durch das Sonnenlicht bildet er mehr Vitamin C und sekundäre Pflanzenstoffe.
Kräftigerer Geschmack: Nussig-herb statt mild – eine Geschmacksexplosion!
Langlebigkeit: Ein gut gepflegtes Spargelbeet liefert 10-15 Jahre lang Ernte. Meine älteste Pflanze ist jetzt im 7. Jahr und produktiver denn je!
Standort und Bodenvorbereitung
Spargel ist wählerisch, was seinen Standort angeht. Aber wenn Sie es richtig machen, haben Sie Jahrzehnte Freude daran.
Der perfekte Standort
Sonnig: Mindestens 6-8 Stunden direkte Sonne täglich. Spargel ist ein Sonnenanbeter!
Windgeschützt: Starker Wind kann die zarten Triebe beschädigen. Ich habe mein Beet hinter einer Hecke angelegt.
Keine Staunässe: Spargel hasst nasse Füße! Ein leicht erhöhtes Beet ist ideal.
Dauerhaft: Wählen Sie sorgfältig – das Beet bleibt 10-15 Jahre am selben Ort!
Bodenvorbereitung – der Schlüssel zum Erfolg
Hier investiere ich viel Zeit, denn die Wurzeln wachsen tief und können später nicht mehr versorgt werden.
Bodentyp: Sandig-lehmig ist ideal. Schwere Böden mit Sand (etwa 10 Liter pro m²) auflockern.
pH-Wert: Leicht sauer bis neutral (6,5-7,5). Ich lasse alle paar Jahre eine Bodenprobe machen.
Tiefgründig lockern: Spargel wurzelt bis zu 2 Meter tief! Ich grabe spatentief um und lockere den Untergrund mit einer Grabegabel.
Nährstoffreich: Pro m² arbeite ich ein:
- 2 Schubkarren reifen Kompost
- 1 Handvoll Hornspäne
- Etwas Gesteinsmehl für Spurenelemente
Unkrautfrei: Besonders Quecken und Giersch müssen vollständig entfernt werden. Sie sind später zwischen den Spargelwurzeln kaum zu bekämpfen!
Pflanzen – der große Moment
Pflanzgut auswählen
Sie haben zwei Möglichkeiten:
Einjährige Wurzelstöcke (Rhizome): Meine Empfehlung! Sie sind günstiger und wachsen besser an. Erntebereit nach 3 Jahren.
Zweijährige Wurzelstöcke: Teurer, aber erste kleine Ernte schon nach 2 Jahren möglich.
Wichtig: Kaufen Sie nur männliche Sorten! Sie bilden keine Beeren und stecken alle Kraft in die Stangenproduktion. Empfehlenswerte Sorten: ‚Backlim‘, ‚Vitalim‘, ‚Steiniva‘.
Pflanzzeit und -abstand
Wann: Anfang April bis Mitte Mai, sobald der Boden abgetrocknet und erwärmt ist (mindestens 10°C).
Abstand:
- Zwischen den Reihen: 100-120cm
- In der Reihe: 40-50cm
- Pro 10m² Beet: etwa 15-20 Pflanzen
Pflanzung Schritt für Schritt
1. Gräben ausheben: 30cm breit, 25cm tief. Den Aushub seitlich lagern.
2. Drainageschicht: 5cm Sand am Grabenboden verteilen.
3. Erdhügel formen: In der Grabenmitte kleine Hügel aufschütten, etwa 10cm hoch.
4. Wurzeln vorbereiten: Die Rhizome eine Stunde in lauwarmem Wasser einweichen. Beschädigte Wurzeln entfernen.
5. Pflanzen setzen: Das Rhizom auf den Hügel legen, die Wurzeln gleichmäßig nach unten ausbreiten – wie einen Oktopus! Die Krone (wo die Knospen sitzen) zeigt nach oben.
6. Bedecken: Mit 5-8cm Erde bedecken. Nicht zu tief – die Knospen müssen atmen können!
7. Angießen: Durchdringend wässern, aber ohne Überschwemmung.
8. Markieren: Ich stecke Stäbe zu jeder Pflanze, damit ich weiß, wo sie sind.
Pflege in den ersten drei Jahren
Die ersten Jahre sind die Geduldsprobenphase – aber entscheidend für späteren Erfolg!
Jahr 1: Wurzeln aufbauen
NICHT ERNTEN! Das ist das Wichtigste. Alle Energie muss in die Wurzelbildung gehen.
Gießen: Regelmäßig, besonders in Trockenperioden. Der Boden sollte nie ganz austrocknen.
Unkraut jäten: Penibel! Unkraut konkurriert um Nährstoffe. Ich mulche mit Rasenschnitt (5cm dick).
Farnkraut wachsen lassen: Die filigranen „Wedel“ sind wichtig – sie produzieren Energie für die Wurzeln. Nicht abschneiden!
Düngen: Im Juni eine Handvoll Kompost pro Pflanze.
Jahr 2: Geduld bewahren
Immer noch nicht ernten! Ich weiß, es ist hart. Aber Geduld zahlt sich aus.
Im Frühjahr: Abgestorbenes Farnkraut bodennah abschneiden und als Mulch liegen lassen.
Düngen: Im März mit reifem Kompost (3-4 Liter pro m²). Im Juni nochmals nachdüngen.
Beobachten: Die Triebe werden dieses Jahr schon dicker – ein gutes Zeichen!
Jahr 3: Erste zaghafte Ernte
Jetzt dürfen Sie ernten – aber nur wenig! Maximal 3-4 Wochen lang und nur die dicksten Stangen (ab 1cm Durchmesser).
Faustregel: Pro Pflanze nicht mehr als 3-4 Stangen entnehmen.
Ab Jahr 4: Die volle Ernte
Jetzt beginnt die Belohnung für Ihre Geduld!
Erntezeitraum
Beginn: Wenn die Stangen 20-25cm lang und bleistiftdick sind – meist ab Mitte April.
Ende: Spätestens am 24. Juni (Johannistag). Das ist wichtig! Die Pflanzen brauchen Zeit, sich für nächstes Jahr zu regenerieren.
Ernteperiode: 6-8 Wochen. Bei mir von Mitte April bis Mitte Juni.
Richtig ernten
Grüner Spargel ist herrlich unkompliziert zu ernten:
Methode: Ich schneide die Stangen 2-3cm über dem Boden mit einem scharfen Messer ab. Keine Graberei nötig!
Zeitpunkt: Täglich kontrollieren! Bei Wärme wachsen die Stangen 5-7cm pro Tag. Morgens ernten, da ist das Aroma am intensivsten.
Dicke: Mindestens bleistiftdick (8-10mm). Dünnere Stangen stehen lassen – sie versorgen die Wurzel.
Länge: Ich ernte bei 20-25cm Länge. Länger werden sie holzig.
Zeichen zum Stoppen: Wenn die Stangen dünner werden (unter 8mm), ist es Zeit, die Ernte zu beenden.
Pflege während der Saison
Frühjahr (März)
- Altes Farnkraut abschneiden
- Beet von Unkraut befreien
- Kompost aufbringen (3-4 Liter pro m²)
- Hornspäne einarbeiten (80-100g pro m²)
Sommer (nach Ernteschluss)
- Farnkraut hochwachsen lassen – NICHT schneiden!
- Bei Trockenheit durchdringend gießen
- Mulchen mit Grasschnitt
- Im Juli nochmals nachdüngen (Kompost oder Brennnesseljauche 1:10)
Herbst (Oktober/November)
- Farnkraut wird gelb – stehen lassen!
- Erst nach dem ersten Frost abschneiden
- 5-10cm hoch stehen lassen als Markierung
- Optional: Beet mit Kompost oder Laub mulchen
Winter
- Ruhe! Spargel braucht Frost für gute Erträge
- Keine Bodenbearbeitung
Schädlinge und Krankheiten
Spargelhähnchen: Orangerote Käfer mit schwarzen Punkten. Ich sammle sie morgens ab, wenn sie noch träge sind.
Spargelrost: Gelbe Pusteln am Farnkraut. Bei starkem Befall Farnkraut vorzeitig entfernen und entsorgen (nicht kompostieren!).
Spargelfliege: Selten, aber lästig. Befallene Triebe sofort entfernen.
Meine Prävention: Gesunde, kräftige Pflanzen durch gute Düngung. Mischkultur mit Tomaten oder Tagetes – die halten Schädlinge fern.
Meine Lieblings-Rezepte mit grünem Spargel
Nach all der Arbeit kommt der Genuss!
Klassisch vom Grill: Mit Olivenöl beträufeln, salzen, pfeffern – 5 Minuten auf dem Grill wenden. Perfekt!
Schnell in der Pfanne: In Butter oder Olivenöl 5-8 Minuten braten, mit Parmesan bestreuen.
Im Salat: Kurz blanchieren (2 Minuten), abschrecken, mit Tomaten und Mozzarella kombinieren.
In der Quiche: Mit Eiern, Sahne und Käse – ein Frühlingstraum!
Häufige Fehler vermeiden
Fehler 1: Zu früh ernten → Mindestens 3 Jahre warten!
Fehler 2: Zu lange ernten → Johannistag ist Schluss, sonst schwächen Sie die Pflanze.
Fehler 3: Farnkraut zu früh schneiden → Es muss bis zum Frost stehen bleiben!
Fehler 4: Zu wenig düngen → Spargel ist ein Starkzehrer!
Fehler 5: Weibliche Sorten pflanzen → Die bilden Beeren und sind weniger ertragreich.
Meine Erfahrung nach 7 Jahren
Als ich im dritten Jahr die erste Stange erntete und sie frisch in Butter schwenkte, verstand ich, warum Spargel als königliches Gemüse gilt. Der Geschmack – nussig, zart, unbeschreiblich frisch – hatte nichts mit Supermarkt-Spargel zu tun.
Heute, im siebten Jahr, ernte ich von Mitte April bis Mitte Juni jeden Tag eine Schüssel voll grüner Speere. Meine 18 Pflanzen versorgen unsere Familie den ganzen Frühling über.
Ich verschenke an Nachbarn, koche Spargelquiche, grille ihn zum Grillfest – und friere einen Teil ein für den Winter.
Die drei Jahre Wartezeit? Längst vergessen. Was bleibt, ist die Freude an diesem wunderbaren Gemüse, Jahr für Jahr.
Geduld wird königlich belohnt
Grüner Spargel anzubauen ist ein Langzeitprojekt – nichts für Ungeduldige. Aber wenn Sie bereit sind, drei Jahre zu investieren, werden Sie mit einem Gemüsebeet beschenkt, das Sie 10-15 Jahre lang versorgt.
Jeder Bissen selbst angebauter Spargel schmeckt nach Frühling, nach Geduld, nach wohlverdientem Erfolg. Probieren Sie es aus – Ihr zukünftiges Ich wird es Ihnen danken!


