Angelaufenes Silber verliert seinen charakteristischen Glanz und wirkt stumpf und unansehnlich. Die dunklen Verfärbungen entstehen durch eine chemische Reaktion mit Schwefelverbindungen aus der Luft – ein natürlicher Prozess, der sich nicht verhindern, aber leicht rückgängig machen lässt.
Teure Silberputzmittel sind dafür nicht notwendig. Einfache Hausmittel, die in jeder Küche vorhanden sind, reinigen Silber genauso effektiv und schonend. Dieser Ratgeber stellt die bewährten Methoden vor und erklärt, welche Technik für welchen Zweck am besten geeignet ist.
Warum läuft Silber an?
Die schwarze Verfärbung auf Silber ist Silbersulfid – eine Verbindung aus Silber und Schwefel. Schwefelverbindungen finden sich in der Raumluft, in Lebensmitteln (besonders Eiern) und in der menschlichen Haut.
Je höher die Luftfeuchtigkeit und je mehr Schwefel in der Umgebung, desto schneller läuft Silber an.
Sterling Silber (925er Silber) ist dabei anfälliger als reines Silber, da die Kupferlegierung zusätzlich oxidiert. Versilberte Gegenstände zeigen das Problem besonders deutlich, da die dünne Silberschicht schnell durchdrungen wird.
Die Alufolien-Methode: Chemische Reinigung ohne Reiben
Diese Methode ist die effektivste und schonendste für größere Silbergegenstände. Sie nutzt eine elektrochemische Reaktion, die das Silbersulfid zurück in reines Silber verwandelt – ohne mechanisches Abreiben.
Benötigte Materialien:
- Alufolie (ausreichend für Schalenboden)
- 1 Liter heißes Wasser (mindestens 80°C)
- 1 Esslöffel Salz
- 1 Esslöffel Natron oder Backpulver
- Kunststoff- oder Glasschüssel
Durchführung:
- Vorbereitung: Eine Schüssel mit Alufolie auslegen. Die glänzende Seite sollte nach oben zeigen. Alternativ zerknüllte Alufolie auf den Boden legen.
- Lösung ansetzen: Einen Liter Wasser aufkochen und in die Schüssel gießen. Salz und Natron einrühren, bis beide vollständig aufgelöst sind.
- Silber einlegen: Die Silbergegenstände komplett in die Lösung tauchen. Wichtig: Das Silber muss direkten Kontakt zur Alufolie haben. Bei Bedarf mit einem Holzlöffel andrücken.
- Reaktion beobachten: Nach wenigen Sekunden beginnt die Reaktion. Es bilden sich kleine Bläschen, und die Lösung kann leicht riechen. Die schwarzen Verfärbungen verschwinden vor den Augen – meist innerhalb von 2-5 Minuten.
- Entnahme: Das Silber mit einer Kunststoffzange entnehmen, sobald der Glanz wiederhergestellt ist. Mit klarem Wasser abspülen und sofort mit einem weichen Tuch trocken polieren.
Wissenschaftlicher Hintergrund: Aluminium ist unedler als Silber und gibt Elektronen ab. Diese Elektronen wandeln das Silbersulfid zurück in elementares Silber, während das Aluminium oxidiert (die Folie wird dunkel). Der Prozess wird durch das warme Salzwasser als Elektrolyt beschleunigt.
Vorteile dieser Methode:
- Extrem schonend – keine Abnutzung der Silberschicht
- Reinigt auch schwer zugängliche Stellen (Verzierungen, Gravuren)
- Funktioniert bei stark angelaufenem Silber
- Mehrere Teile gleichzeitig behandelbar
- Kein mühsames Polieren erforderlich
Wichtig: Nicht für Silber mit oxidierten Verzierungen geeignet! Antiquitäten haben oft absichtlich dunkle Vertiefungen für Kontrast. Diese würden bei dieser Methode ebenfalls gereinigt.
Weitere bewährte Hausmittel im Vergleich
Neben der Alufolien-Methode existieren weitere Techniken, die je nach Situation praktischer sein können.
| Methode | Anwendung | Einwirkzeit | Geeignet für | Wirkung |
|---|---|---|---|---|
| Zahnpasta | Auf Tuch geben, einreiben, abspülen | 2-3 Minuten | Kleine Teile, Schmuck, leichte Verfärbungen | Gut bis sehr gut |
| Zitronensaft + Salz | Mischen, auftragen, einreiben | 2-5 Minuten | Besteck, mittelstarke Verfärbungen | Sehr gut |
| Kartoffelwasser | Silber einlegen | 30-60 Minuten | Große Mengen, flache Teile | Gut |
| Natron-Paste | Paste herstellen, auftragen, reiben | 5-10 Minuten | Hartnäckige Flecken, robustes Silber | Sehr gut |
| Essigbad | In Essig-Wasser einlegen | 15-30 Minuten | Leichte bis mittlere Verfärbungen | Gut |
| Bananenschale | Innenseite zum Polieren nutzen | 2-3 Minuten | Nachpolieren, Glanz verstärken | Mäßig |
Detaillierte Anwendungen der Alternativmethoden
Zahnpasta-Methode: Weiße, nicht-gel Zahnpasta auf ein weiches Baumwolltuch geben. Mit kreisenden Bewegungen das Silber polieren. Die feinen Schleifpartikel in der Zahnpasta entfernen die Oxidschicht mechanisch. Anschließend gründlich abspülen und trocken reiben. Diese Methode eignet sich besonders für Silberschmuck und kleine Gegenstände, bei denen die Alufolien-Methode unpraktisch wäre.
Vorsicht: Zu kräftiges Reiben oder zu häufige Anwendung können die Silberschicht abtragen. Nur bei Bedarf verwenden, nicht als regelmäßige Reinigung.
Zitronensaft mit Salz: Den Saft einer halben Zitrone mit einem Esslöffel Salz mischen. Die Paste auf das angelaufene Silber auftragen und mit einem weichen Tuch einreiben. Die Säure des Zitronensafts löst das Silbersulfid, während das Salz als sanftes Schleifmittel wirkt. Nach 2-3 Minuten mit warmem Wasser abspülen.
Tipp: Für größere Flächen die Mischung mit etwas Wasser verdünnen und das Silber 5 Minuten einweichen lassen, bevor es abgerieben wird.
Kartoffelwasser: Das Kochwasser von geschälten Kartoffeln auffangen und abkühlen lassen. Das Silber für 30-60 Minuten einlegen. Die Stärke im Wasser bindet die Schwefelverbindungen und löst so die Verfärbungen. Diese traditionelle Methode ist besonders schonend und eignet sich für empfindliche oder antike Stücke.
Vorteil: Keine mechanische Beanspruchung, kostenlos (Abfallprodukt), für große Mengen geeignet.
Natron-Paste: Drei Esslöffel Natron mit einem Esslöffel Wasser zu einer dicken Paste verrühren. Mit einem feuchten Schwamm auf das Silber auftragen und in kreisenden Bewegungen einreiben. Die leicht alkalische Wirkung neutralisiert die Oxidation, während die Körnung mechanisch reinigt. Besonders effektiv bei hartnäckigen, dunklen Verfärbungen.
Wichtig: Bei versilberten Gegenständen vorsichtig arbeiten – zu starker Druck kann die dünne Silberschicht beschädigen.
Spezielle Anwendungsfälle
Silberbesteck: Die Alufolien-Methode ist ideal, da mehrere Teile gleichzeitig gereinigt werden können. Nach der Reinigung jedes Teil einzeln trocken polieren, um Wasserflecken zu vermeiden. Besteck mit Kunststoffgriffen nur kurz eintauchen, um Beschädigungen des Griffs zu verhindern.
Silberschmuck mit Edelsteinen: Vorsicht bei Perlen, Türkis oder Opalen – diese reagieren empfindlich auf Hitze und Chemikalien. Für solchen Schmuck nur die Zahnpasta-Methode verwenden und die Steine aussparen. Alternativ professionell reinigen lassen.
Versilberte Gegenstände: Die Silberschicht ist oft nur 0,01-0,03mm dünn. Mechanisches Reiben sollte minimal sein. Die Alufolien-Methode ist hier optimal, da sie ohne Abrieb arbeitet. Bei sichtbaren Abnutzungsstellen (kupferfarbene Durchscheinungen) auf Reinigung verzichten – weitere Behandlung würde mehr Silber abtragen.
Antikes Silber mit Patina: Sammler schätzen oft die dunkle Patina in Vertiefungen und Gravuren – sie betont die Details. Solche Stücke nur partiell reinigen: Die erhabenen Flächen polieren, die Vertiefungen belassen. Am besten mit einem weichen Tuch und Zahnpasta arbeiten, um gezielt vorzugehen.
Häufige Fehler vermeiden
Silber in der Spülmaschine: Absolut vermeiden! Die aggressiven Salze und hohen Temperaturen beschleunigen das Anlaufen dramatisch. Zudem können Edelstahl und Silber in der feuchten Umgebung elektrochemisch reagieren und das Silber beschädigen.
Zu heißes Wasser bei Schmuck: Temperaturen über 90°C können Klebeverbindungen bei gefassten Steinen lösen. Für Schmuck maximal 60°C verwenden.
Chlorbleiche verwenden: Chlor greift Silber direkt an und kann es dauerhaft schädigen. Niemals chlorhaltige Reiniger für Silber verwenden.
Zu lange Einwirkzeit: Bei Säure-basierten Methoden (Essig, Zitrone) nicht länger als 30 Minuten einwirken lassen. Längere Exposition kann die Oberfläche angreifen und matt werden lassen.
Trocknen an der Luft: Wassertropfen hinterlassen Kalkflecken. Silber immer sofort nach der Reinigung trocken reiben.
Silber richtig aufbewahren und Anlaufen vorbeugen
Die beste Reinigung ist die, die nicht nötig wird. Mit richtiger Lagerung läuft Silber deutlich langsamer an:
Luftdichte Aufbewahrung: Silber in Flanellbeuteln oder luftdichten Plastikbeuteln lagern. Spezielle Anti-Anlauf-Streifen (mit Silbernitrat getränktes Papier) im Beutel absorbieren Schwefelverbindungen.
Kreide hinzufügen: Ein Stück Schulkreide im Aufbewahrungsbehälter absorbiert Feuchtigkeit und reduziert das Anlaufen um etwa 80%.
Regelmäßige Nutzung: Paradoxerweise läuft Silber langsamer an, wenn es regelmäßig benutzt wird. Die mechanische Reibung beim Gebrauch und Spülen entfernt beginnende Oxidation.
Fernhalten von: Gummi, Wolle, bestimmten Lebensmitteln (Eier, Zwiebeln, Mayonnaise), schwefelhaltigen Kosmetika. Diese beschleunigen das Anlaufen erheblich.
Raumklima: Niedrige Luftfeuchtigkeit (unter 50%) verlangsamt die Oxidation. In feuchten Kellern oder Badezimmern Silber nicht lagern.
Kosten und Nachhaltigkeit
Die Reinigung mit Hausmitteln ist nicht nur effektiv, sondern auch wirtschaftlich. Ein Vergleich:
Kommerzielle Silberpolitur: 8-15€ pro 150ml, ausreichend für etwa 20 Anwendungen = 0,40-0,75€ pro Reinigung
Alufolien-Methode: Alufolie (Cent-Bereich), Salz und Natron (unter 5 Cent) = unter 0,10€ pro Reinigung
Bei regelmäßiger Silberpflege summiert sich die Ersparnis schnell auf 50-100€ jährlich.
Umweltaspekt: Hausmittel sind biologisch abbaubar und belasten das Abwasser nicht. Kommerzielle Polituren enthalten oft Lösungsmittel und Chemikalien, die aufwendig geklärt werden müssen.


