Während die Sommerhitze das Thermometer auf 28 Grad treibt, denken die meisten Gärtner noch nicht an Herbst. Aber genau jetzt ist der goldene Moment für die zweite Gemüse-Saison. Ich stehe gerade im August vor meinem Beet und räume auf — die verbrauchten Salate, die Radieschen — und sehe plötzlich wieder freie Fläche. Das ist die Chance. Wer jetzt Spinat, Feldsalat und andere Herbstgemüse sät, kann noch bis November frische Ernten einbringen. Überraschend: Ein einzelner Feldsalat-Samen bringt bis zu 30 Blätter – bei nur einer Aussaat im August.
Warum August die zweite Gartensaison startet
Letzten Sommer stand ich tatsächlich ratlos vor meinem Beet. Juli war vorbei, der erste Spinat längst aufgegessen, die Radieschen verschrumpelt. Ich dachte, die Saison wäre gelaufen. Dann erzählte mir mein Nachbar — ein alter Gemüsegärtner — dass er gerade jetzt Feldsalat säe. Ich war skeptisch. Aber er hatte recht: Im August wird der Boden immer noch von der Sommerwärme durchdrungen, die Tage werden kürzer, die Nächte kühler. Das ist ideal für Gemüse, das bei Hitze sonst sofort in den Schuss ginge. Spinat braucht Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad zum keimen — genau das bekommen wir im späten August und September. Der Vorteil: Keine Konkurrenz mehr mit den Frühjahrsaussaaten, weniger Druck durch Schädlinge, die im Hochsommer aktiv sind.
Denk dir vor: Du säst heute, Mitte August, und erntest zum ersten Mal Anfang Oktober. Das ist ein völlig anderes Timing als im Frühjahr. Keine Ungeduld, kein Warten auf das Wetter. Die Natur arbeitet natürlich mit dir mit.
Diese fünf Gemüse gehören jetzt ins Beet
Spinat ist der Klassiker für die Herbstaussaat. Sorten wie ‚Matador‘ oder ‚Lövbiff‘ sind robust und treiben auch bei fallenden Temperaturen noch zuverlässig aus. Du säst die Körner etwa 2 Zentimeter tief in lockerer, humusreicher Erde aus. Der Reihenabstand sollte 20 Zentimeter betragen, die einzelnen Körner 5 bis 8 Zentimeter voneinander entfernt. Nach drei bis vier Wochen kannst du schon die ersten Blätter ernten, wenn sie handtellergroß sind.
Feldsalat ist mein persönlicher Favorit für August. Die Sorte ‚Vit‘ oder ‚Estragon‘ wächst kompakt und braucht weniger Platz als Spinat. Ich säe die feinen Samen direkt ins Beet, bedecke sie aber nur ganz dünn mit Erde — maximal 5 Millimeter. Feldsalat ist ein Lichtkeimer. Wenn du ihn zu tief verbuddelst, keimt nichts. Der Abstand zwischen den Reihen kann hier nur 15 Zentimeter sein. Feldsalat braucht weniger Nährstoffe als Spinat und ist daher auch ideal für ausgelaugte Gemüseflächen.
Rucola wächst blitzschnell. Bereits nach 25 bis 30 Tagen kannst du ernten. Die Samen kommen 1 Zentimeter tief in die Erde, Reihenabstand 15 Zentimeter. Die Blätter entwickeln im Herbst ein intensiveres Aroma — nicht mehr so scharf wie im Hochsommer, aber würzig und nussig. Entgegen der gängigen Meinung braucht Rucola nicht ständig Wasser. Ein bis zwei Mal die Woche reicht völlig, wenn der Boden Humus enthält.
Winterportulak (auch Postelein genannt) ist noch relativ unbekannt, dabei ist es perfekt für Anfänger. Die Pflanze ist robust, wächst sogar noch bei kühlem Wetter und liefert wöchentlich neue Blätter zum Ernten. Du säst sie wie Spinat aus, aber mit etwas weniger Abstand — 15 Zentimeter zwischen den Reihen reicht. Der Geschmack ist mild, leicht säuerlich, perfekt für Salate oder als Wildkräuter-Ersatz.
Mangold mag zwar etwas länger brauchen, passt aber zeitlich noch perfekt. Die robusten Sorten ‚Bright Lights‘ oder ‚Lucullus‘ säst du Mitte August aus, und ab November kannst du einzelne Blätter ernten — bis in den Winter hinein. Die Samen brauchst du 2 bis 3 Zentimeter tief zu säen, Reihenabstand 30 Zentimeter.
Die richtige Bodenvorbereitung macht den Unterschied
Meine Oma hat mir beigebracht, dass man nicht einfach säen kann. Der Boden muss passen. Nachdem ich die verbrauchten Sommerpflanzen rausgezogen habe, arbeite ich 2 bis 3 Liter reifen Kompost pro Quadratmeter ein. Der Boden sollte krümelig sein, nicht verdichtet. Wenn dein Beet noch hart ist von der Sommersonne, gieße es großzügig durch — am besten abends — und warte einen Tag. Dann ist die Erde aufgelockert genug zum Säen.
Ein wichtiger Punkt: Die Erde muss frei von Unkrautsamen sein. Im August sind viele Wildkräuter bereits verblüht und haben Samen fallen lassen. Wenn du jetzt ins unbearbeitete Beet säst, konkurrieren Brennnessel und Vogelmiere mit deinem Feldsalat. Also: Mit der Hand durchgehen, die obersten 5 Zentimeter auflockern, Unkraut raus. Das dauert 20 Minuten pro Quadratmeter, erspart dir aber Wochen Ärger.
Wusstest du? Der Feldsalat war im Mittelalter die wichtigste Wintersalatsorte. Gärtner lagerten große Mengen in sandgefüllten Kellern, um die Familie von Oktober bis März mit frischem Grün zu versorgen — ohne Gewächshaus, ohne Heizung. Heute können wir das im Hochbeet noch viel einfacher schaffen.
Aussaat-Schritt für Schritt
1. Beet vorbereiten: Unkraut entfernen, Kompost einarbeiten, Erde auflockern und feinkrümelig rechen
2. Rillen ziehen: Mit der Harke oder einem Stock Saatrillen in der richtigen Tiefe markieren (bei Feldsalat nur 5 mm, bei Spinat 2 cm)
3. Samen ausbringen: Direkt in die Rillen säen, dünn und gleichmäßig — nicht zu dicht
4. Erde andrücken: Leicht mit der Hand oder dem Rechen andrücken, damit die Samen Bodenkontakt haben
5. Angießen: Mit feiner Brause durchfeuchten, nicht durchnässen — die Erde sollte sich feucht anfühlen wie ein ausgewrungener Schwamm
6. Feuchtigkeit halten: Während der Keimphase (7 bis 10 Tage) das Beet nie austrocknen lassen
| Sorte | Keimdauer | Ernte | Frost-Empfindlich |
|---|---|---|---|
| Spinat 'Matador' | 10-14 Tage | Ab Woche 4 | Nein, bis -10 °C |
| Feldsalat 'Vit' | 7-10 Tage | Ab Woche 4 | Nein, bis -15 °C |
| Rucola | 5-7 Tage | Ab Woche 3-4 | Ja, ab -5 °C |
| Winterportulak | 10-14 Tage | Ab Woche 5 | Nein, bis -8 °C |
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
Der größte Fehler ist, zu dicht zu säen. Ich mache das immer noch — aus Ungeduld oder Sorge, dass nichts aufgeht. Dann stehen die Sämlinge sich gegenseitig im Weg, werden dünn und fadenförmig. Das Ergebnis: schwache Pflanzen, anfällig für Krankheiten, kleine Blätter. Besser: Die Hälfte der Samen sparen und wirklich locker säen. Du kannst später immer noch nachsäen, wenn einzelne Stellen kahl bleiben. Ein zweiter Fehler ist, zu früh zu säen — noch in der brütenden Hitze von Anfang August. Spinat und Feldsalat keimen bei über 25 Grad deutlich schlechter oder gar nicht. Warte bis Mitte August, wenn die Nächte wieder unter 18 Grad fallen.
Meine Erfahrung
Neulich stand ich im Beet und war sauer — der Feldsalat war nicht aufgegangen. Erst nach Recherche merkte ich: Ich hatte ihn zu tief gesät, etwa 1 Zentimeter statt 5 Millimeter. Der Lichtkeimer hatte keine Chance. Ich säte sofort neu, diesmal ganz flach, und eine Woche später keimte er massenhaft. Seitdem nutze ich für Feldsalat ein kleines Brett, auf das ich die Samen lege, bevor ich sie nur ganz leicht mit Erde bedecke. Das funktioniert perfekt.
Mit Hochbeet noch schneller zum Erfolg
Wer ein Hochbeet hat, kann jetzt besonders effizient arbeiten. Die Erde im Hochbeet wärmt sich schneller auf und kühlt nachts langsamer ab — ideal für die Keimphase. Außerdem: Der Boden ist meist bereits humusreich und locker. Du sparst dir die ganze Vorbereitung. Für Hochbeete gilt dasselbe wie fürs normale Beet, nur dass die Abstände noch etwas großzügiger sein können. Feldsalat kann hier sogar mit nur 12 Zentimetern Reihenabstand auskommen, weil die Erde lockerer ist.
Ein zusätzlicher Vorteil: Im Hochbeet sitzen Schnecken weniger häufig an den zarten Blättern. Die müssen einen Weg nach oben überwinden. Im Flachbeet hingegen sind deine Setzlinge nach wenigen Tagen Schneckenfutter. Mein Tipp: Wenn Schnecken in der Gegend sind, säe lieber ins Hochbeet oder nutze Kupferbänder um die Beete herum. Sie schrecken Schnecken zuverlässig ab — ohne Gift, kinderfreundlich.
Ernteplanung und Lagerung
Das Schöne an der August-Aussaat: Du erntest nicht alles auf einmal. Feldsalat und Spinat geben dir über Wochen hinweg neue Blätter. Statt die ganze Pflanze zu zupfen, kannst du ab Woche vier die äußeren Blätter einzeln abbrechen. Die inneren Blätter wachsen nach. So hast du vier bis fünf Wochen lang regelmäßig frisches Grün. Rucola und Winterportulak funktionieren genauso.
Im Kühlschrank halten sich diese Blattgemüse 5 bis 7 Tage in einer feuchten Baumwolltasche. Lagerung ist also kein Problem. Die meisten Familien essen das Grün schneller auf, als es wächst.
Unser Fazit
August ist keine Pause im Gartenjahr — es ist der Start in die zweite, entspanntere Gemüse-Saison. Mit den richtigen Sorten und lockerer Erde hast du bis November frisches Grün auf dem Tisch. Probier’s aus: Säe heute, ernte in einem Monat.
Mein Tipp aus der Praxis
Nutze Vlies oder Sommerfäden über den frisch gesäten Beeten, um sie vor Vogelfrass zu schützen. Nach der Keimung (etwa 10 Tage) kannst du das Material entfernen. Ein zweiter Profi-Trick: Gieße dein Aussaatbeet die erste Woche morgens — nicht abends. So trocknet die oberste Erdschicht tagsüber leicht an, und es entstehen weniger Pilzkrankheiten. Und noch eins: Mische deine Sorten räumlich. Ein Beet mit Spinat-Reihen, dazwischen Feldsalat — so nutzt du den Platz optimal und hast optisch mehr Abwechslung beim Ernten.
Worauf du achten solltest
Der häufigste Fehler ist zu dichte Aussaat — dann konkurrieren die Sämlinge um Licht und Nährstoffe, werden schwach und anfällig für Mehltau. Säe lieber dünn und großzügig. Ein zweiter häufiger Fehler: Zu früh säen, noch in der Hitze von Anfang August. Die Keimungsquote sinkt dramatisch über 25 Grad. Warte bis Mitte August, wenn die Nächte wieder kühler werden.


