Es gibt Momente, da betrete ich meine Küche und denke: „Zu voll. Zu viel. Zu laut.“ Nicht, weil dort Chaos herrscht, sondern weil jede Ecke „etwas“ hat. Eine Schale hier, ein Gerät dort, drei schöne Dosen, die alle gleichzeitig Aufmerksamkeit wollen. Sie kennen das vielleicht.
Ich möchte Ihnen zeigen, wie Ihre Küche in nur zehn Minuten plötzlich wie neu wirken kann – ohne Umbau, ohne neuen Schrank, ohne stylische Instagram-Boxen.
Nur mit einem radikal einfachen System, das ich selbst aus der Arbeit im Garten und meiner Leidenschaft für Ordnung aus der Natur übernommen habe.
Schritt 1: Die Macht der offenen Fläche
Stellen Sie sich einen frisch bestellten Acker vor. Nicht vollgestellt, nicht überladen, nur bereit. Genau dieses Gefühl holen wir in Ihre Küche.
Wählen Sie eine Fläche: Arbeitsplatte neben der Spüle oder der Bereich neben dem Herd. Nur eine. Dort passiert der größte Teil Ihres Alltags.
Jetzt stellen Sie sich eine einfache Frage:
„Was MUSS hier dauerhaft stehen, damit ich kochen, schneiden, spülen kann?“
Alles andere räumen Sie weg.
In 10 Minuten schaffen Sie:
- Wasserkocher & Toaster? Nur stehen lassen, wenn Sie sie wirklich täglich nutzen. Ansonsten: in den Schrank oder ein Regal.
- Dekoflaschen, Schalen, Kerzen, Kochbücher? Weg von der Arbeitsfläche.
- Messerblock, Utensilienhalter? Wenn Sie ihn brauchen: ja. Aber nur einen, nicht drei.
Ihr Ziel: mindestens 60–70 % dieser Fläche frei.
Das ist unser „Vorher/Nachher-Moment“:
Vorher: hübsch, aber voll.
Nachher: klar, ruhig, professionell.
Wenn ich nach einem langen Tag im Garten in meine Küche komme und dort eine fast leere Arbeitsplatte auf mich wartet, atme ich automatisch tiefer. Offene Flächen sind kein Luxus, sie sind eine Einladung: „Hier darfst du arbeiten. Hier ist Platz für dein Leben.“
Schritt 2: Die 1-Korb-Methode – alle „Vielleicht später“-Dinge verschwinden
Jetzt kommt der Trick, der alles verändert, ohne dass Sie wirklich ausmisten müssen (das können wir ein andermal tun, versprochen):
Sie nehmen einen Korb.
Nicht drei, nicht ein System aus Boxen. Einen.
Ein Einkaufskorb, eine Holzkiste, ein schönes Tablett – was immer Sie bereits zu Hause haben.
Alles, was auf der Arbeitsplatte steht, aber nicht täglich gebraucht wird, wandert für den Moment in diesen Korb:
- Vitaminpräparate
- Öle, Essigflaschen, Gewürzmühlen (die „Deko“ geworden sind)
- Extra-Tassen, die „zu schön sind, um wegzuräumen“
- Zweites Schneidbrett, selten genutzte Geräte
- Kleine Dekoobjekte, Küchenschnickschnack
Der Korb bekommt einen festen Platz:
- auf dem Kühlschrank
- im Regal
- in einer Ecke, die nicht die Hauptarbeitsfläche blockiert
- im Unterschrank
Der Effekt ist erstaunlich:
Die Küche wirkt sofort minimalistischer – ohne dass Sie sich von etwas trennen mussten. Sie haben lediglich entschieden: „Nicht hier. Nicht dauernd im Blick.“
Ich möchte Ihnen zeigen, dass Minimalismus nicht Verzicht bedeutet, sondern Konzentration: Das Wichtige im Zentrum, das Restliche gut gebündelt an einem Ort.
Und das Schönste: Wenn Besuch kommt oder Sie fotografieren wollen, schieben Sie einfach den Korb noch kurz beiseite – und Ihre Küche sieht aus, als hätten Sie stundenlang aufgeräumt.
Schritt 3: Die „Nur-das-Tägliche“-Zone – Ihr neuer Küchenanker
Jetzt definieren wir bewusst, was wirklich bleiben darf. Das ist Ihre „Nur-das-Tägliche“-Zone.
Auf dieser einen freien Hauptfläche (oder einem klar gewählten Küchensegment) dürfen nur Dinge stehen, die Sie täglich benutzen:
- 1 Schneidbrett
- 1 Messerblock oder 1–2 Lieblingsmesser
- Salz & Pfeffer (maximal 1–2 Gewürze, nicht 15)
- 1 Ölflasche, wenn Sie wirklich täglich damit kochen
- Eventuell Ihre Kaffeemaschine, wenn sie morgens unverzichtbar ist
Sonst nichts.
Nicht „vielleicht“, nicht „am Wochenende“, nicht „aber die Flasche ist so schön“.
Nur das Tägliche.
Sie werden merken, wie schnell sich Ihr Bewegungsfluss verändert:
- Weniger Greifen über Dinge hinweg
- Weniger Putzen um Objekte herum
- Weniger visuelle Unruhe
Ich erlebe das im Garten genauso: Die Werkzeuge, die ich täglich benutze, haben ihren klaren Platz. Alles andere ist sortiert, aber nicht mitten im Weg. Ihre Küche darf funktionieren wie eine gute Werkstatt – und trotzdem warm und einladend bleiben.
Vorher / Nachher – ohne einen Cent auszugeben
Stellen Sie sich für einen Moment vor:
Vorher:
Überall etwas. Drei schöne Behälter, verstreute Teebeutel, Brotkrümel neben Deko, fünf Geräte, die seltener genutzt werden, als wir zugeben wollen. Eine Küche, in der ständig „noch kurz aufräumen“ nötig ist.
Nachher nach 10 Minuten:
- Eine große freie Fläche, die sofort sauber wirkt.
- Ein sichtbarer Ort nur mit den Dingen, die Sie wirklich täglich greifen.
- Alle „Vielleicht später“-Dinge ordentlich gebündelt im 1-Korb-System.
Ihr Blick kann ruhen. Ihr Kopf auch.
Diese Art von Ordnung hat nichts Strenges, nichts Perfektionistisches. Sie ist weich, freundlich und zutiefst praktisch. Genau wie ein gut gepflegter Gartenweg, auf dem Sie ohne Stolpern gehen können.
Extra: Kleine ökologische Feinheiten für Ihre Küche
Weil mir Nachhaltigkeit am Herzen liegt, möchte ich Ihnen noch etwas mitgeben:
- Nutzen Sie vorhandene Körbe, Kisten, alte Brotkästen – nichts Neues kaufen müssen ist der beste Minimalismus.
- Wenn Sie Geräte verstauen, stellen Sie sich ehrlich die Frage: „Nutze ich das in den nächsten vier Wochen wirklich?“ – vielleicht ist jetzt ein guter Moment zum Verschenken.
- Halten Sie ein Küchentuch aus Baumwolle griffbereit, mit dem Sie einmal über Ihre offene Fläche wischen. Sauberkeit verstärkt den „wie neu“-Effekt mehr als jedes Dekostück.
Ich verspreche Ihnen: Dieser 10-Minuten-Trick ist kein „Lifehack“, den man einmal probiert und dann vergisst. Er ist ein kleines System, das sich leicht wiederholen lässt.
So starten Sie heute – in genau 10 Minuten
- Eine Fläche wählen.
- Alles herunterräumen, was nicht täglich gebraucht wird.
- Einen Korb holen und alles „Vielleicht“ hineingeben.
- Nur das Tägliche zurückstellen – bewusst, klar, wenig.
- Zurücktreten. Atmen. Staunen.
Wenn Sie jetzt dort stehen und denken: „Oh. Das ist ja wirklich… neu“, dann haben Sie es geschafft.
Ich freue mich, wenn Sie sich bei jeder Tasse Kaffee daran erinnern: Ihr Zuhause muss nicht größer, teurer oder perfekter werden. Nur bewusster. Und manchmal reichen 10 Minuten, ein Korb und der Mut, Fläche frei zu lassen.


