Wenn ich spontan ein kleines Geschenk verpacken möchte und keine passende Tüte zur Hand habe, greife ich zu Papier und Schere. In wenigen Minuten entsteht eine individuelle Geschenktüte – oft schöner als gekaufte Varianten.
Diese Fertigkeit habe ich mir vor Jahren angeeignet, als ich begann, Saatgut und getrocknete Kräuter aus meinem Garten zu verschenken.
Selbstgebastelte Papiertüten sind nachhaltig, kostengünstig und lassen sich perfekt auf Anlass und Beschenkten abstimmen. Ob aus Zeitungspapier, buntem Geschenkpapier oder Packpapier – die Grundtechnik bleibt dieselbe und ist kinderleicht.
Die Grundtechnik: Klassische Papiertüte
Benötigte Materialien:
- 1 Blatt Papier (A4 oder größer)
- Schere
- Lineal
- Klebestift oder doppelseitiges Klebeband
- Optional: Locher und Band für Henkel
Schritt-für-Schritt-Anleitung:
1. Papier vorbereiten: Ein A4-Blatt im Hochformat vor sich legen. Für größere Tüten A3-Papier oder zwei zusammengeklebte A4-Blätter verwenden.
2. Seitennaht vorbereiten: Die rechte Kante etwa 1,5cm nach innen falten – dies wird die Klebelasche. Mit dem Lineal die Faltkante nachziehen für eine scharfe Kante.
3. Tüte formen: Die linke Kante zur gefalteten rechten Kante führen und dort mit Kleber fixieren. Die Klebelasche sollte innen liegen. Gut andrücken und trocknen lassen.
4. Boden falten: Das entstandene Rohr flach hinlegen. Die untere Kante 4-5cm nach oben falten. Wieder aufklappen – diese Falte markiert die Bodenhöhe.
5. Boden konstruieren: Die untere Öffnung so falten, dass die Seitennähte genau in der Mitte liegen. Die beiden entstehenden Dreiecke nach innen klappen. Die obere und untere Klappe nun zur Mitte falten und dort verkleben.
6. Tüte öffnen: Vorsichtig auffalten und den Boden nach innen drücken, sodass die Tüte stehen kann. Mit der Hand von innen die Form stabilisieren.
7. Henkel anbringen (optional): Mit einem Locher zwei Löcher im oberen Rand stanzen, Band durchfädeln und von innen verknoten.
Zeitbedarf: Mit etwas Übung 3-5 Minuten pro Tüte.
Drei schnelle Varianten im Vergleich
| Variante | Zeitaufwand | Schwierigkeit | Geeignet für | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Klassische Tüte | 5 Minuten | Mittel | Alle Geschenke, stabile Form | Steht eigenständig |
| Flachbeutel | 2 Minuten | Leicht | Flache Geschenke, Karten, Gutscheine | Sehr schnell, minimalistisch |
| Zickzack-Tüte | 4 Minuten | Leicht | Kleine Geschenke, Süßigkeiten | Ohne Kleber möglich |
| Bodenbeutel | 6 Minuten | Mittel-Schwer | Größere, schwere Geschenke | Extra stabil, professionell |
Flachbeutel: Die 2-Minuten-Lösung
Für flache Geschenke wie Bücher oder Gutscheine ist der Flachbeutel ideal – unglaublich schnell und trotzdem hübsch.
Anleitung:
- Papier im Querformat legen
- Obere Hälfte zur unteren falten
- Seitenränder jeweils 1cm nach innen falten und verkleben
- Geschenk einlegen
- Oberkante umschlagen oder mit Washi-Tape verschließen
Diese Variante verwende ich häufig für Saatguttütchen aus meinem Garten. Mit Stempel oder handschriftlichem Etikett wirken sie besonders persönlich.
Kreative Gestaltungsideen
Naturmaterialien: Ich sammle im Wald kleine Zweige, getrocknete Blüten oder Zapfen. Mit Naturgarn an die Tüte gebunden entsteht ein rustikaler Look. Besonders Lavendelzweige aus meinem Garten verleihen den Tüten einen wunderbaren Duft.
Stempel und Farbe: Kartoffelstempel (selbst geschnitzt) oder fertige Holzstempel personalisieren einfaches Packpapier. Mit Stofffarbe oder Acrylfarbe arbeiten – sie decken besser als Wasserfarbe.
Washi-Tape: Diese bunten Klebestreifen verschließen Tüten dekorativ und sind in unzähligen Mustern erhältlich. Sie lassen sich leicht wieder ablösen – praktisch!
Handschrift: Persönliche Botschaften direkt auf die Tüte schreiben hat einen besonderen Charme. Mit Kalligraphie-Stift oder einfach mit Bleistift – authentisch und liebevoll.
Recycling-Papier: Alte Landkarten, Notenpapier, Zeitungsseiten oder Buchseiten ergeben einzigartige Tüten. Meine Lieblingsmaterialien sind alte Gartenzeitschriften – passend zu meinem Thema.
Papierauswahl: Was funktioniert am besten?
Packpapier (70-90 g/m²): Klassisch, stabil, preiswert. Mein Standard für größere Tüten.
Geschenkpapier (60-80 g/m²): Bunt und festlich, aber oft dünn. Für leichte Geschenke geeignet.
Zeitungspapier: Kostenlos, ökologisch, vintage-Look. Überraschend stabil!
Butterbrotpapier: Durchscheinend, zart, romantisch. Für kleine, leichte Geschenke.
Tapeten-Reste: Sehr stabil, oft mit schönen Mustern. Ideal für größere, schwerere Geschenke.
Tipp aus meiner Erfahrung: Zu dünnes Papier (unter 60 g/m²) reißt leicht. Zu dickes Papier (über 120 g/m²) lässt sich schwer falten. Der Mittelweg ist ideal.
Häufige Fehler vermeiden
Ungleichmäßige Falten: Mit Lineal vorzeichnen und mit Falzbein (oder Löffelstiel) nachziehen. Präzise Falten sind das A und O.
Zu wenig Kleber: Gerade am Boden muss die Verklebung halten. Lieber etwas großzügiger sein.
Falsches Papier: Glänzendes Hochglanzpapier klebt schlecht. Beschichtete Papiere meiden oder mit doppelseitigem Klebeband arbeiten.
Boden zu klein: Ein zu flacher Boden macht die Tüte instabil. Mindestens 4cm Bodenhöhe einplanen.
Nachhaltigkeitsaspekt
Selbstgebastelte Tüten schonen die Umwelt erheblich. Eine gekaufte Papiertüte kostet 20-50 Cent und wird oft nach einmaligem Gebrauch entsorgt. Selbstgemachte Tüten aus Altpapier kosten praktisch nichts und nutzen vorhandene Ressourcen.
In meinem Haushalt sammle ich systematisch: Packpapier von Paketen, schöne Zeitschriftenseiten, alte Kalender. Dieses Material wartet in einer Kiste darauf, zu individuellen Geschenktüten verwandelt zu werden.
Die Beschenkten freuen sich oft mehr über die handgemachte Verpackung als über gekaufte Tüten – sie spüren die investierte Zeit und Kreativität.


