Neulich stand ich vor meinem Kleiderschrank und zog die unterste Schublade auf – Sie kennen das bestimmt: Diese eine Schublade, in die wir all die Pullover stopfen, die wir nicht mehr tragen, aber auch nicht wegwerfen können.
Da lag mein alter Norwegerpulli mit dem Fleck am Ärmel, der Strickpullover, der nach dem Waschen zwei Nummern kleiner geworden war, und mindestens fünf weitere Teile, die ich seit Jahren nicht mehr angefasst hatte.
Zu schade zum Wegwerfen, aber definitiv nicht mehr tragbar. An diesem Nachmittag beschloss ich: Diese Pullover bekommen ein zweites Leben – und zwar so, dass niemand errät, dass sie einmal Kleidung waren. Was daraus entstand, begeistert heute jeden Gast, der mein Wohnzimmer betritt.
Die 3 schönsten Upcycling-Ideen aus alten Pullis
1. Kissenhüllen aus Pulli-Ärmeln und Vorderseiten – der absolute Klassiker
Die einfachste und wirkungsvollste Verwandlung ist die zur Kissenhülle. Besonders die Ärmel eignen sich perfekt: Sie haben bereits die richtige Form, sind an einer Seite geschlossen und müssen nur noch angepasst werden.
Schneiden Sie den Ärmel ab, sodass er etwa 45 cm lang ist. Wenn Sie ein 40×40 cm Kissen haben, drehen Sie den Ärmel auf links, nähen das offene Ende zu (oder kleben es mit Textilkleber) und fertig. Für absolute Anfänger, die nicht nähen möchten: Heißkleber funktioniert erstaunlich gut auf Strickstoff. Lassen Sie ihn nur vollständig auskühlen, bevor Sie die Hülle umdrehen.
Aus der Vorderseite eines Pullovers können Sie größere Kissenhüllen machen. Schneiden Sie einfach zwei gleich große Quadrate zu, legen Sie sie rechts auf rechts übereinander und nähen oder kleben Sie drei Seiten zusammen. Die vierte Seite wird zur Öffnung – Sie können dort sogar die originale Bündchenkante des Pullovers nutzen, dann haben Sie automatisch einen schönen Abschluss.
Was ich besonders liebe: Pullover mit Zopfmuster oder nordischen Mustern sehen auf Kissen unglaublich edel aus. Niemand würde vermuten, dass das mal ein 15 Euro Pulli von der Stange war.
2. Mug Sweater und Wärmflaschen-Hüllen – Gemütlichkeit pur
Diese Idee habe ich zuerst bei einer Freundin gesehen und sofort nachgemacht. Ein „Mug Sweater“ ist im Grunde eine kleine Hülle für Ihre Lieblingstasse – sie hält den Tee länger warm und schützt Ihre Hände vor der Hitze.
Schneiden Sie dafür ein Stück aus dem Pulli-Körper, das etwa 10 cm hoch und so breit ist, dass es einmal um Ihre Tasse passt (mit etwas Überlappung). Nähen oder kleben Sie die Seiten zusammen, sodass ein Schlauch entsteht. Fertig ist Ihr individueller Tassenwärmer.
Wenn der Pulli ein besonders schönes Muster hat, können Sie das gezielt so zuschneiden, dass es auf der Vorderseite der Tasse sitzt. Auch alte Pullis mit aufgestickten oder aufgedruckten Motiven funktionieren wunderbar.
Für Wärmflaschen gehen Sie genauso vor, nur in größer. Messen Sie Ihre Wärmflasche aus, schneiden Sie ein entsprechendes Rechteck aus dem Pulli, nähen drei Seiten zu und lassen eine Seite als Öffnung. Die Wärmflasche schlüpft hinein wie in einen kuscheligen Schlafsack. An kalten Winterabenden gibt es nichts Gemütlicheres.
3. Körbchen und Organizer aus Pulli-Bündchen – überraschend stabil
Das Bündchen eines Pullovers – also der verstärkte untere Rand – hat eine natürliche Stabilität durch die engere Strickweise. Genau das macht es perfekt für kleine Aufbewahrungslösungen.
Schneiden Sie das Bündchen als Ring ab, etwa 8-10 cm hoch. Nähen oder kleben Sie den Boden zu (einfach ein Stück Stoff oder sogar Filz von unten dran), und schon haben Sie ein kleines, weiches Körbchen. Darin können Sie im Badezimmer Haargummis, Haarspangen oder kleine Kosmetikprodukte aufbewahren. Am Schreibtisch sammelt es Büroklammern, USB-Sticks oder Notizzettel.
Das Schöne an dieser Methode: Sie können mehrere Körbchen in unterschiedlichen Größen machen, wenn Sie mehrere Pullover haben. Ein Set aus drei verschiedenen Körbchen in abgestimmten Farben sieht im Regal oder auf der Kommode richtig professionell aus.
Ich habe aus den Bündchen meiner alten Pullis mittlerweile eine ganze Familie kleiner Organizer gemacht – im Nähzimmer, in der Küche für Teebeutel, sogar in der Diele für Schlüssel. Jeder fragt mich, wo ich die gekauft habe.
Schritt-für-Schritt-Anleitung für absolute Näh-Anfänger
Sie müssen keine Nähmaschine besitzen und auch keine Näh-Expertin sein. Für diese Projekte reichen wirklich einfachste Mittel.
Was Sie brauchen:
- Eine scharfe Stoffschere (macht das Schneiden viel leichter)
- Nadel und Garn (oder Textilkleber als Alternative)
- Stecknadeln zum Fixieren (optional, aber hilfreich)
- Ihre alten Pullover
- Optional: ein Maßband oder Lineal
So gehen Sie vor:
Für Kissenhüllen: Messen Sie Ihr Kissen aus. Addieren Sie auf jeder Seite 2 cm für die Naht. Zeichnen Sie diese Maße auf dem Pulli an (mit Kreide oder einem Stift, der sich auswaschen lässt). Schneiden Sie zwei identische Teile zu.
Legen Sie die Teile mit der schönen Seite nach innen aufeinander (das nennt man „rechts auf rechts“). Fixieren Sie die Ränder mit Stecknadeln. Jetzt nähen Sie drei Seiten mit einem einfachen Vorstich zusammen – das ist der simpelste Stich überhaupt: Nadel rein, ein Stück weiter wieder raus, und so weiter. Der Abstand zur Kante sollte etwa 1,5 cm betragen.
Wenn Sie lieber kleben: Tragen Sie den Textilkleber in einer dünnen Linie auf, drücken Sie die Stoffe zusammen und beschweren Sie sie, während der Kleber trocknet (zum Beispiel mit Büchern).
Drehen Sie die Hülle anschließend auf rechts – jetzt sind die Nähte innen versteckt. Schieben Sie Ihr Kissen hinein. Fertig!
Tipp aus meiner Erfahrung: Pullover mit Struktur – Zopfstrick, dicke Rippen, Norwegermuster, Jacquard – bringen den größten Wow-Effekt. Sie wirken hochwertiger und verbergen kleine Unregelmäßigkeiten in Ihrer Naht viel besser als glatter Feinstrick.
So stylst du deine neuen DIY-Stücke, damit niemand merkt, dass es alte Pullis sind
Der Trick liegt nicht nur im Upcycling selbst, sondern auch in der Art, wie Sie Ihre neuen Stücke präsentieren.
Kombination auf Sofa und Bett: Arrangieren Sie mehrere Kissen aus verschiedenen Pullovern zusammen. Wenn Sie beispielsweise drei Kissen aus einem cremefarbenen, einem grauen und einem dunkelroten Pulli gemacht haben, platzieren Sie diese nebeneinander auf dem Sofa. Die unterschiedlichen Texturen und Farben ergänzen sich und wirken wie eine durchdachte Kollektion.
Mischen Sie Ihre Pulli-Kissen mit anderen Textilien – eine Leinendecke, ein paar gekaufte Kissen, eine Wolldecke. So entsteht ein harmonisches Gesamtbild, bei dem die Upcycling-Stücke nicht als Einzelkämpfer auffallen, sondern Teil eines größeren Konzepts sind.
Farbkonzepte – Neutrals versus bunte Akzente: Wenn Sie einen ruhigen, skandinavischen Look mögen, bleiben Sie bei neutralen Farben: Weiß, Creme, Grau, Beige. Pullover in diesen Tönen gibt es in fast jedem Kleiderschrank, und sie passen zu fast jeder Einrichtung.
Für mehr Lebendigkeit mischen Sie ein oder zwei knallige Farben dazu. Ein senfgelbes Kissen zwischen grauen, ein rostroter Mug Sweater neben weißen – solche Akzente beleben den Raum, ohne überladen zu wirken.
Ich persönlich liebe die Kombination aus verschiedenen Grau- und Beigetönen mit einem einzigen farbigen Hingucker. Das wirkt erwachsen und durchdacht, nicht gebastelt.
Der Vorher-Nachher-Effekt: Was meine Gäste am meisten beeindruckt, ist die Transformation einer ganzen Ecke. Vorher: Eine Couch mit zwei langweiligen Kissen, eine nackte Tasse auf dem Beistelltisch, Kleinkram in einer hässlichen Plastikschale.
Nachher: Vier verschiedene Kissen mit unterschiedlichen Strickmustern auf der Couch, eine Tasse im Mug Sweater, daneben ein kleines Pulli-Körbchen mit Fernbedienungen. Alles in aufeinander abgestimmten Farben, alles aus alten Pullovern gemacht.
Der Unterschied ist enorm – und wenn ich dann erzähle, dass all das aus meiner alten Kleidung entstanden ist, ist die Begeisterung jedes Mal groß.
Starten Sie mit dem hässlichsten Pulli
Mein Rat an Sie: Nehmen Sie sich heute Abend Zeit, öffnen Sie die Schublade oder den Schrank, in dem Ihre alten Pullover liegen, und suchen Sie sich ausgerechnet den hässlichsten aus. Den, bei dem Sie denken: „Der kann wirklich weg.“
Genau dieser Pulli wird Ihr erstes Projekt. Warum? Weil Sie bei ihm keine Angst haben müssen, etwas falsch zu machen. Wenn Sie einen kleinen Fehler machen beim Schneiden oder Nähen – wen interessiert’s? Der Pulli hätte ohnehin im Müll gelandet.
Und ich verspreche Ihnen: Sobald Sie Ihr erstes Stück fertig haben und sehen, wie aus etwas Unbrauchbarem etwas Schönes und Nützliches geworden ist, werden Sie nicht mehr aufhören wollen. Pullover für Pullover wird verwandelt, bis Ihre Wohnung voller selbstgemachter, einzigartiger Deko-Stücke ist.
Falls Sie Ihr Ergebnis zeigen möchten – ich würde mich riesig freuen, wenn Sie ein Foto in den Kommentaren teilen. Besonders gespannt bin ich auf Ihre kreativsten Muster und unerwartetsten Farbkombinationen. Gemeinsam können wir uns inspirieren und noch mehr Ideen sammeln, was aus unseren alten Pullovern alles werden kann.


