Neulich in meinem Garten stand ich vor einem Rätsel: Meine Tomatenpflanzen in den Terrakotta-Töpfen verwelkten trotz täglichen Gießens, während die gleiche Sorte im Beet prächtig gedieh – und das mit viel weniger Wasser. An einem besonders heißen Julimorgen beobachtete ich, wie das kostbare Nass einfach durch die Erde rann und nach wenigen Stunden war die Oberfläche wieder staubtrocken. Fast die Hälfte meines Gießwassers verschwand ungenutzt!
Dann erinnerte ich mich an einen Waldspaziergang im Schwarzwald. Selbst nach wochenlanger Trockenheit war der Waldboden unter der Laubschicht noch feucht. Die Natur hatte mir die Antwort längst gezeigt. Was ich in den folgenden Wochen entdeckte und in meinem Garten umsetzte, veränderte nicht nur meinen Wasserverbrauch – es revolutionierte meine gesamte Art zu gärtnern.
Heute möchte ich Ihnen zeigen, wie auch Sie mit einer einfachen, jahrhundertealten Methode bis zu 50% Wasser sparen können. Und das Schönste: Ihre Pflanzen werden dabei gesünder und kräftiger als je zuvor.
Die Entdeckung
Es war meine Großmutter, die mir den entscheidenden Hinweis gab. Bei einem ihrer Besuche betrachtete sie kopfschüttelnd meine nackten Gemüsebeete: „Kind, wo ist denn die Decke für deine Pflanzen? Im Wald läuft auch niemand herum und harkt das Laub weg!“ Damals verstand ich nicht ganz, was sie meinte. Doch ihr Blick verriet mir: Hier lag ein altes Wissen verborgen.
Ich begann zu experimentieren. Zunächst zögerlich – würden nicht Schnecken kommen? Würde die Erde nicht faulen? Mein erster Versuch war bescheiden: Ich bedeckte ein Tomatenbeet mit Grasschnitt.
Das Ergebnis nach zwei Wochen erstaunte mich. Während ich die ungemulchten Tomaten täglich gießen musste, blieb die Erde unter dem Grasschnitt selbst nach drei Tagen ohne Wasser noch angenehm feucht. Die Pflanzen wirkten vitaler, die Blätter satter grün.
Aber es war nicht nur die Feuchtigkeit. Als ich vorsichtig die Mulchschicht anhob, offenbarte sich mir eine lebendige Welt: Regenwürmer, kleine Käfer, ein dichtes Netzwerk feiner Wurzeln. Die Erde darunter duftete nach Wald, nach Leben. In diesem Moment verstand ich, was meine Großmutter gemeint hatte.
Die Natur mulcht sich selbst – Laub, Zweige, abgestorbene Pflanzen bilden einen schützenden Mantel. Warum sollten wir es anders machen?
So funktioniert es
Das Prinzip ist so einfach wie genial: Eine Schutzschicht aus organischem Material bewahrt die Bodenfeuchtigkeit, während sie gleichzeitig die Erde nährt. Lassen Sie mich Ihnen zeigen, wie Sie diese Methode Schritt für Schritt in Ihrem Garten umsetzen.
Schritt 1: Den Boden vorbereiten
Der erste Schritt ist ganz einfach und doch so wichtig: Lockern Sie die Erde sanft mit einer Grabegabel auf. Keine Sorge, Sie müssen nicht umgraben – das würde das Bodenleben nur stören. Ziehen Sie die Gabel etwa zehn Zentimeter tief in die Erde und bewegen Sie sie leicht hin und her.
Entfernen Sie dabei größere Unkräuter mit der Wurzel. Die Erde sollte atmen können, wie nach einem erfrischenden Frühlingsregen. Bei mir im Garten mache ich das am liebsten am frühen Morgen, wenn die Erde noch die Feuchtigkeit der Nacht gespeichert hat.
Schritt 2: Gründlich wässern – ein letztes Mal
Jetzt gießen Sie Ihre Beete noch einmal ausgiebig. Wirklich durchdringend, sodass das Wasser tief in den Boden sickert. Stellen Sie sich vor, Sie bereiten ein weiches Bett vor, das lange bequem bleiben soll. Ich nehme dafür immer meine alte Gießkanne mit dem feinen Brausekopf – das Wasser verteilt sich so sanfter und schwemmt die Erde nicht weg.
Dieser Schritt ist entscheidend, denn er schafft die Feuchtereserve, die Ihre Pflanzen in den kommenden Wochen nutzen werden.
Schritt 3: Die Mulchschicht aufbringen
Nun kommt der magische Moment. Verteilen Sie Ihr Mulchmaterial in einer Schicht von etwa fünf bis sieben Zentimetern über dem gesamten Beet. Lassen Sie dabei einen kleinen Abstand von etwa fünf Zentimetern um die Pflanzenstängel herum frei – das verhindert Fäulnis. Die Schicht sollte dick genug sein, um den Boden vollständig zu bedecken, aber nicht so dick, dass kein Wasser mehr durchdringen kann. Denken Sie an eine warme Bettdecke im Winter: Sie wärmt, aber sie erstickt nicht.
Schritt 4: Beobachten und nachbessern
In den ersten Wochen werden Sie feststellen, dass die Mulchschicht zusammensackt. Das ist völlig normal – das Material beginnt zu verrotten und verwandelt sich langsam in wertvollen Humus. Füllen Sie einfach nach, wenn die Schicht dünner als drei Zentimeter wird. Bei mir im Garten gehe ich alle zwei Wochen mit einem Korb Mulchmaterial durchs Beet und bessere hier und dort nach. Es ist wie eine kleine Meditation – diese ruhige Arbeit, bei der man sieht, wie die Natur arbeitet.
Schritt 5: Richtig gießen mit Mulch
Wenn Sie nun gießen – und das werden Sie viel seltener tun müssen – gießen Sie direkt auf den Mulch. Das Wasser sickert hindurch und erreicht die Erde, während der Mulch verhindert, dass es sofort verdunstet. Ich gieße meine gemulchten Beete im Hochsommer nur noch alle drei bis vier Tage, statt täglich. Und wenn Sie den Finger unter die Mulchschicht stecken, werden Sie staunen: Die Erde ist angenehm feucht und kühl, selbst in der Mittagshitze.
Was Sie brauchen
Das meiste haben Sie sicher schon zu Hause oder finden es kostenlos in Ihrem Garten. Genau das macht diese Methode so wunderbar zugänglich.
Als Mulchmaterial eignet sich vieles: Grasschnitt (aber bitte nur in dünnen Schichten, damit er nicht fault), gehäckseltes Stroh, zerkleinerte Rinde, Herbstlaub oder Kompost. Ich persönlich verwende am liebsten eine Mischung – im Gemüsegarten hauptsächlich angetrockneten Grasschnitt und Stroh, bei den Stauden Rindenkompost. Für einen Quadratmeter Beetfläche benötigen Sie etwa 40 bis 50 Liter Mulchmaterial.
Eine Gartenschere oder einen kleinen Häcksler kann ich empfehlen, wenn Sie größere Mengen Material zerkleinern möchten. Kleineres Material verrottet schneller und lässt sich gleichmäßiger verteilen. Aber glauben Sie mir, ich habe jahrelang auch einfach mit einer alten Schere gearbeitet.
Eine Grabegabel zum Lockern der Erde – die haben Sie vermutlich bereits. Und natürlich Ihre Gießkanne oder den Gartenschlauch, wobei Sie die bald viel seltener in die Hand nehmen werden. Eine kleine Harke ist praktisch, um die Mulchschicht gelegentlich etwas zu lüften, besonders nach starken Regenfällen.
Warum ist das so wirksam?
Die Natur hat ihre eigene Weisheit, und wenn wir genau hinschauen, verstehen wir das Prinzip: Eine Mulchschicht wirkt wie eine lebendige Klimaanlage für Ihren Boden. Sie schützt vor den extremen Temperaturen, die im Sommer auf nackter Erde entstehen können – oft über 40 Grad an der Oberfläche! Unter dem Mulch hingegen bleibt es angenehm kühl, und die Feuchtigkeit kann nicht so schnell verdunsten.
Aber es geschieht noch viel mehr. Das organische Material zieht Bodenlebewesen an – Regenwürmer, Mikroorganismen, nützliche Pilze. Sie alle arbeiten unermüdlich daran, das Material abzubauen und in Humus zu verwandeln. Dabei entsteht eine krümelige, lockere Bodenstruktur, die Wasser wie ein Schwamm speichert. Ist das nicht faszinierend? Sie legen eine Decke auf den Boden, und darunter erwacht ein ganzes Universum zum Leben.
Die Wurzeln Ihrer Pflanzen müssen nicht mehr so tief wachsen, um an Wasser zu gelangen. Stattdessen können sie sich im oberen, nährstoffreichen Bereich ausbreiten. Das macht die Pflanzen widerstandsfähiger gegen Trockenheit und Krankheiten.
In der Permacultur nennen wir das „den Boden niemals nackt lassen“ – ein Grundprinzip, das ich in all meinen Jahren als Gärtnerin als das wichtigste überhaupt empfunden habe.
Hinzu kommt: Der Mulch unterdrückt Unkraut auf natürliche Weise. Die meisten Wildkräuter schaffen es nicht, durch eine fünf Zentimeter dicke Mulchschicht zu dringen. Die wenigen, die es dennoch versuchen, lassen sich mühelos herausziehen, da die Erde darunter so schön locker bleibt.
Meine persönlichen Tipps
Was ich außerdem gelernt habe in den Jahren mit dieser Methode: Lassen Sie Grasschnitt immer erst einen Tag antrocknen, bevor Sie ihn als Mulch verwenden. Frischer, nasser Grasschnitt neigt zum Verklumpen und kann anfangen zu faulen. Ich breite ihn dünn auf einem alten Laken aus – so trocknet er gleichmäßig.
Im Frühjahr, wenn die Erde noch kühl ist, mulche ich nicht sofort. Ich warte, bis sich der Boden erwärmt hat, etwa ab Mitte Mai. Zu frühes Mulchen verzögert die Bodenerwärmung, und Ihre Jungpflanzen wachsen langsamer. Aber sobald die ersten warmen Tage kommen, bringe ich die Mulchschicht auf – gerade noch rechtzeitig, bevor die Sonne den Boden austrocknet.
Ein Fehler, den ich anfangs machte: Ich mulchte zu dick. Sieben Zentimeter reichen völlig! Bei zu dickem Mulch kommt nicht genug Luft an die Erde, und manchmal zogen Mäuse ein. Die mögen nämlich geschützte, trockene Verstecke. Eine moderate Schicht verhindert das.
Bei Starkzehrern wie Tomaten oder Kürbissen mische ich gerne etwas halbreifen Kompost unter den Mulch. So bekommen die Pflanzen während der Saison kontinuierlich Nährstoffe. Das ist wie ein langsam wirkendes Düngemittel – sanft, aber beständig.
Und noch etwas: Im Herbst lasse ich die Mulchschicht einfach liegen. Über den Winter verrottet sie weiter und schützt die Bodenlebewesen vor Frost. Im Frühjahr arbeitet sich dann ein wunderbar krümeliger Humus in die Erde ein.
Für die Umwelt
Gleichzeitig tun Sie der Natur etwas Gutes – mehr, als Sie vielleicht zunächst denken. Jeder Liter Wasser, den Sie nicht aus der Leitung nehmen müssen, schont unsere wertvollen Wasserressourcen. In Zeiten zunehmender Trockenheit ist das ein kleiner, aber wichtiger Beitrag.
Die Humusbildung, die unter der Mulchschicht stattfindet, bindet außerdem Kohlenstoff im Boden. Humusreiche Böden sind echte Klimaschützer! Und indem Sie auf chemische Unkrautvernichter verzichten können, schützen Sie Insekten, Vögel und das Grundwasser.
Das Bodenleben, das Sie fördern, schafft ein stabiles Ökosystem in Ihrem Garten. Nützlinge finden Unterschlupf, der Boden wird widerstandsfähiger gegen Erosion. Es entsteht ein Kreislauf: Gesunder Boden ernährt gesunde Pflanzen, diese wiederum nähren Insekten und Vögel, deren Ausscheidungen wieder den Boden bereichern.
Ein kleines Paradies entsteht, in dem alles miteinander verbunden ist – so, wie es die Natur vorgesehen hat.
Schlusswort
Wenn ich an einem Sommerabend durch meinen Garten gehe und sehe, wie üppig alles gedeiht, während meine Nachbarn täglich mit dem Schlauch unterwegs sind, erfüllt mich das mit einer tiefen Dankbarkeit. Diese einfache Methode hat mir nicht nur Arbeit und Wasser erspart – sie hat mich gelehrt, der Natur zu vertrauen und mit ihr zu arbeiten, statt gegen sie.
Ich lade Sie ein, es auszuprobieren. Beginnen Sie klein, vielleicht mit einem einzigen Beet. Beobachten Sie, staunen Sie, lernen Sie. Die Natur braucht Zeit, und auch die Umstellung Ihres Gartens geschieht nicht über Nacht. Aber haben Sie Geduld – es lohnt sich. Schon nach wenigen Wochen werden Sie die ersten Erfolge sehen: feuchte, lebendige Erde, kraftvolle Pflanzen, weniger Gießarbeit.
Jedes Mal, wenn ich meine Hände in diese krümelige, nach Wald duftende Erde grabe, weiß ich: Das ist richtig. Das ist der Weg, den unsere Großeltern schon kannten und den wir fast vergessen hätten. Holen wir ihn zurück in unsere Gärten. Für uns, für die Pflanzen, für die Erde.


