Liebe Gartenfreunde, ich erinnere mich noch gut an die großen Jutesäcke mit Hornspänen in der Gärtnerei meines Onkels im Schwarzwald. Der erdige Geruch, die groben, dunklen Späne – damals verstand ich noch nicht, welchen Schatz die Natur uns hier schenkt.
Heute möchte ich Ihnen zeigen, wie Sie Hornspäne richtig einsetzen und welche Pflanzen davon besonders profitieren.
Hornspäne sind zermahlene Rinder- oder Büffelhörner und -hufe – ein reines Naturprodukt, das langsam Stickstoff freisetzt. Im biologischen Garten sind sie für mich unverzichtbar geworden, weil sie sanft und nachhaltig wirken, ganz im Einklang mit der Natur.
Warum Hornspäne so wertvoll sind
Im Gegensatz zu mineralischen Düngern, die schnell wirken aber auch schnell ausgewaschen werden, arbeiten Hornspäne mit der Zeit.
Bodenorganismen zersetzen das Horn allmählich und setzen dabei Stickstoff frei – genau dann, wenn die Pflanzen ihn brauchen.
Die Vorteile auf einen Blick:
- Langzeitwirkung: Je nach Körnung 3-6 Monate Nährstoffabgabe
- Keine Verbrennungsgefahr: Selbst bei großzügiger Anwendung verbrennen die Wurzeln nicht
- Bodenverbesserung: Fördert das Bodenleben und die Humusbildung
- Reines Naturprodukt: 100% biologisch, für den ökologischen Landbau zugelassen
Die verschiedenen Hornprodukte verstehen
In der Gärtnerei finden Sie unterschiedliche Produkte, und ich möchte Ihnen die Unterschiede erklären:
Hornspäne (grob)
Die groben Späne sind 1-5 mm groß und wirken am langsamsten – etwa 6 Monate. Ich verwende sie vor allem bei Dauerkulturen wie Stauden, Rosen und Gehölzen, die über die gesamte Vegetationsperiode hinweg Nährstoffe benötigen.
Horngrieß (mittel)
Mit 1-3 mm Größe ist er der goldene Mittelweg. Die Wirkung setzt nach etwa 2-3 Wochen ein und hält 3-4 Monate. Perfekt für Gemüsebeete und Sommerblumen.
Hornmehl (fein)
Das feine Pulver wirkt am schnellsten – schon nach 1-2 Wochen – aber auch am kürzesten (2-3 Monate). Ich nutze es für Gemüse mit kurzem Kulturzeitraum wie Salat oder Radieschen.
Diese Pflanzen lieben Hornspäne
Starkzehrer im Gemüsegarten
Tomaten: Meine Tomaten bekommen beim Pflanzen 80-100g Hornspäne ins Pflanzloch. Das versorgt sie die ganze Saison über. Kombiniert mit Brennnesseljauche im Sommer sind sie bestens versorgt.
Kürbisse und Zucchini: Diese hungrigen Gesellen brauchen viel Stickstoff. Ich arbeite im Frühjahr großzügig Hornspäne in die Kürbiserde ein – etwa 150g pro Quadratmeter.
Kohl aller Art: Brokkoli, Blumenkohl, Wirsing – alle Kohlgewächse sind dankbare Abnehmer. 100g pro Quadratmeter vor der Pflanzung reichen aus.
Zierpflanzen
Rosen: Jedes Frühjahr bekommt jede meiner Rosen eine Handvoll Hornspäne um den Wurzelbereich gestreut und leicht eingearbeitet. Das Ergebnis: üppige Blütenpracht und gesundes Laub.
Hortensien: Diese Blütenwunder sind Stickstoffliebhaber. Im März gebe ich 60-80g pro Pflanze, und im Juni eine Nachdüngung mit der Hälfte der Menge.
Rhododendren und Azaleen: Hier bin ich vorsichtig, denn sie mögen sauren Boden. Hornspäne sind leicht alkalisch. Ich verwende maximal 40g pro Pflanze und kombiniere sie mit saurem Mulch wie Nadelstreu.
Rasen
Ja, auch der Rasen profitiert! Im Frühjahr streue ich 30-50g pro Quadratmeter aus. Das Gras wird dicht und sattgrün, ohne die Wachstumsexplosion mineralischer Dünger, die ständiges Mähen erfordert.
So wenden Sie Hornspäne richtig an
Der richtige Zeitpunkt: Ich dünge hauptsächlich im Frühjahr, wenn die Bodentemperatur über 10°C steigt. Dann sind die Mikroorganismen aktiv und können das Horn zersetzen. Eine Nachdüngung im Juni ist bei Starkzehrern sinnvoll.
Die Anwendung:
- Bei neuen Pflanzungen: Ins Pflanzloch oder die Pflanzfurche einarbeiten
- Bei bestehenden Pflanzen: Um die Pflanze herum ausstreuen und leicht einharken
- Anschließend gut wässern – das aktiviert die Zersetzung
Dosierung als Faustregel:
- Schwachzehrer (Kräuter, Salat): 30-50g/m²
- Mittelzehrer (Erdbeeren, Zwiebeln): 50-80g/m²
- Starkzehrer (Tomaten, Kohl): 100-150g/m²
Für diese Pflanzen sind Hornspäne weniger geeignet
Nicht jede Pflanze schätzt die stickstoffbetonte Düngung:
Mediterrane Kräuter: Rosmarin, Thymian, Lavendel – sie stammen aus kargen Böden und werden bei zu viel Stickstoff weich und anfällig. Hier verzichte ich komplett auf Hornspäne.
Zwiebel- und Knollengewächse: Tulpen, Narzissen und Dahlien brauchen mehr Phosphor und Kalium als Stickstoff. Zu viel Stickstoff fördert das Laub auf Kosten der Blüten.
Jungpflanzen: Bei Sämlingen bin ich zurückhaltend. Erst wenn sie kräftig sind, bekommen sie kleine Mengen Hornmehl.
Eine Beobachtung aus meinem Garten
Vor drei Jahren experimentierte ich mit zwei Tomatenpflanzen derselben Sorte. Eine bekam Hornspäne, die andere mineralischen Flüssigdünger. Die Hornspäne-Tomate wuchs anfangs langsamer, entwickelte aber im Laufe des Sommers ein kräftigeres, dunkelgrünes Laub und trug letztendlich mehr Früchte. Die andere schoss zunächst in die Höhe, wurde aber anfälliger für Krankheiten.
Diese Erfahrung bestätigte mir: Langsam und stetig gewinnt. Hornspäne fördern ein gesundes, nachhaltiges Wachstum.
Praktische Tipps für die Anwendung
Lagerung: Bewahren Sie Hornspäne trocken auf. Ich habe meine in einem alten Emailletopf mit Deckel – so bleiben sie jahrelang haltbar.
Kombination mit anderem Dünger: Hornspäne liefern hauptsächlich Stickstoff. Für eine Rundum-Versorgung kombiniere ich sie mit Kompost (liefert alle Nährstoffe) und gelegentlich mit Gesteinsmehl (für Spurenelemente).
Bei Topfpflanzen: Auch in Kübeln funktionieren Hornspäne gut. Ich mische 2-3 Esslöffel unter die Topferde beim Umtopfen.
Ein Dünger mit Geduld
Hornspäne sind kein Wundermittel für sofortigen Erfolg, aber ein zuverlässiger Partner für nachhaltiges Gärtnern. Sie arbeiten im Rhythmus der Natur, fördern das Bodenleben und versorgen Ihre Pflanzen gleichmäßig und schonend.
Geben Sie diesem alten Gärtnerwissen eine Chance – Ihre Pflanzen werden es Ihnen mit gesundem Wachstum danken!


