Kapuzinerkresse säen und nutzen: Pflege-Tipps

Liebe Gartenfreunde, wenn ich an meine Anfänge als Gärtnerin zurückdenke, fällt mir eine Pflanze ein, die mir von Anfang an treu zur Seite stand: die Kapuzinerkresse.

Diese fröhliche Schönheit mit den leuchtenden Blüten war eines meiner ersten Erfolgserlebnisse – und bis heute ist sie aus meinem Garten nicht wegzudenken. Ich möchte Ihnen zeigen, wie pflegeleicht diese Wunderpflanze ist und welche vielfältigen Möglichkeiten sie Ihnen bietet.

Die Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) stammt ursprünglich aus Südamerika und hat sich bei uns als einjährige Sommerblume etabliert. Aber sie ist so viel mehr als nur hübsch anzuschauen – sie ist Heilpflanze, Salatbeigabe, Blattlausschreck und Bodendecker in einem!

Warum Kapuzinerkresse in jeden Garten gehört

Diese Pflanze hat mich aus mehreren Gründen überzeugt:

Anfängerfreundlich: Wenn Sie noch nie erfolgreich etwas gesät haben – mit Kapuzinerkresse werden Sie es schaffen! Die großen Samen keimen zuverlässig, und die Pflanze verzeiht viele Fehler.

Schnelles Wachstum: Vom Samen zur blühenden Pflanze vergehen nur 6-8 Wochen. Perfekt für ungeduldige Gärtner und Kinder!

Lange Blütezeit: Von Juni bis zum ersten Frost blüht sie unermüdlich in Orange, Gelb, Rot oder Cremeweiß.

Essbar von Kopf bis Fuß: Blüten, Blätter, Knospen – alles ist genießbar und würzig-scharf wie Kresse.

Natürlicher Pflanzenschutz: Blattläuse fliegen auf Kapuzinerkresse und lassen andere Pflanzen in Ruhe. Cleveres Opferpflänzchen!

So säen Sie Kapuzinerkresse richtig

Der richtige Zeitpunkt

Kapuzinerkresse ist frostempfindlich. Ich säe erst nach den Eisheiligen (Mitte Mai) direkt ins Freiland. Wer früher ernten möchte, kann ab Mitte April auf der Fensterbank vorziehen.

Standort und Boden

Hier ist Kapuzinerkresse unkompliziert:

Standort: Sonnig bis halbschattig. In voller Sonne blüht sie üppiger, im Halbschatten wachsen die Blätter kräftiger – beide Varianten haben ihren Reiz.

Boden: Durchlässig und nicht zu nährstoffreich. Ja, Sie haben richtig gelesen – zu viel Dünger führt zu viel Blattmasse und weniger Blüten. Normale Gartenerde reicht vollkommen. Ich mische etwas Sand unter, wenn die Erde zu schwer ist.

Aussaat Schritt für Schritt

Samen vorbereiten: Die harten Samen weiche ich über Nacht in lauwarmem Wasser ein. Das beschleunigt die Keimung von 2 Wochen auf 7-10 Tage.

Direktsaat ins Beet:

  • 3-5 Samen pro Stelle, 2cm tief, mit 30cm Abstand zueinander
  • Erde andrücken und gut angießen
  • Feucht halten bis zur Keimung
  • Später auf 1-2 kräftige Pflanzen pro Stelle vereinzeln

Vorziehen im Topf:

  • Einzelne Samen in 10cm Töpfe mit Anzuchterde
  • Hell und warm stellen (18-20°C)
  • Nach 2-3 Wochen abhärten (tagsüber nach draußen)
  • Ab Mitte Mai auspflanzen

Die verschiedenen Sorten kennenlernen

Es gibt weit über 50 Sorten – hier meine Favoriten:

Rankende Sorten

‚Tall Mixed‘: Wird bis 3m lang und eignet sich perfekt für Zäune, Spaliere oder als Sichtschutz. Ich lasse sie am Kompostgitter hochwachsen – wunderschön!

‚Moonlight‘: Zartgelbe Blüten, rankt bis 2m. Wirkt elegant und nicht so aufdringlich wie die orangenen Sorten.

Buschige Sorten

‚Alaska Mix‘: Kompakt, etwa 30cm hoch, mit dekorativ gemusterten Blättern. Perfekt für Töpfe und Beeteinfassungen.

‚Empress of India‘: Dunkelrote Blüten, dunkelgrünes Laub – sehr edel. Wird 25cm hoch.

Halbhohe Sorten

‚Jewel Mix‘: Mein Allrounder! Wird 40cm hoch, bildet schöne Polster und blüht in allen Farben. Ideal für Balkonkästen.

Pflege – weniger ist mehr

Kapuzinerkresse ist pflegeleicht, aber ein paar Dinge beachte ich:

Gießen: Regelmäßig, aber mäßig. Staunässe mag sie gar nicht. In Töpfen trocknet sie schneller aus – hier gieße ich täglich in der Mittagshitze.

Düngen: Kaum nötig! Zu viel Stickstoff macht die Pflanzen weich und blühfaul. Ich dünge höchstens einmal im Juli mit stark verdünnter Brennnesseljauche (1:20).

Ausputzen: Verblühtes entferne ich nicht – die Pflanze reinigt sich selbst. Nur bei Topfpflanzen putze ich gelegentlich aus, um sie kompakt zu halten.

Schnitt: Wenn rankende Sorten zu wuchtig werden, schneide ich sie zurück. Sie treiben willig neu aus.

Kapuzinerkresse in der Küche nutzen

Hier wird es spannend! Alle Teile der Kapuzinerkresse sind essbar und haben einen würzig-scharfen, kresseartigen Geschmack durch die enthaltenen Senföle.

Blüten

Die farbenprächtigen Blüten sind mein Lieblings-Salatdekor. Sie schmecken mild-würzig und bringen Farbe auf den Teller. Ich streue sie auch über Butterbrot oder garniere damit Sommersuppen.

Blätter

Die jungen, zarten Blätter verwende ich wie Salat. Sie haben mehr Schärfe als die Blüten und erinnern an Rucola. Ältere Blätter sind zäher – diese hacke ich fein und mische sie in Kräuterquark.

Knospen

Unreife Samenkapseln lege ich wie Kapern ein! Sie werden in Salzlake oder Essig eingelegt und schmecken herrlich pikant.

Mein Kapuzinerkresse-Kapern-Rezept:

  • Grüne, unreife Samenkapseln sammeln
  • Für 24h in Salzwasser einlegen (1 EL Salz auf 1 Liter Wasser)
  • Abspülen und in Gläser füllen
  • Mit Weißweinessig, Lorbeer und Pfefferkörnern aufgießen
  • Nach 4 Wochen genießen!

Pesto

Aus Kapuzinerkresseblättern mache ich ein scharfes Pesto: Blätter, Sonnenblumenkerne, Parmesan, Olivenöl, Salz – pürieren, fertig!

Als Heilpflanze verwenden

Kapuzinerkresse ist nicht nur lecker, sondern auch heilkräftig. Die Senföle wirken antibakteriell und entzündungshemmend.

Bei Erkältungen: Ich mache mir einen Tee aus frischen Blättern (1 Handvoll auf 1 Liter Wasser, 10 Min. ziehen). Hilft bei Husten und Bronchitis.

Äußerlich: Zerquetschte Blätter auf kleine Wunden oder Insektenstiche legen – wirkt desinfizierend.

Harnwegsinfekte: Die antibakterielle Wirkung unterstützt bei Blasenentzündungen. Hier empfehle ich aber, mit einem Arzt zu sprechen.

Als natürlicher Pflanzenschutz

Kapuzinerkresse ist mein Geheimwaffe gegen Blattläuse!

Opferpflanze: Ich pflanze sie zwischen Rosen, Bohnen und Tomaten. Blattläuse fliegen zuerst auf die Kapuzinerkresse und lassen die anderen Pflanzen in Ruhe. Sobald sie stark befallen ist, entferne ich die betroffenen Triebe.

Bodenschutz: Unter Obstbäumen gepflanzt, unterdrückt sie Unkraut und hält den Boden feucht.

Meine Lieblingskombinationen

Im Gemüsebeet: Zwischen Tomaten und Gurken – sieht schön aus und lockt Blattläuse weg.

Am Rosenbeet: Als Bodendecker unter Kletterrosen – die Farben harmonieren wunderbar.

Im Balkonkasten: Zusammen mit Geranien und Petunien – die Kapuzinerkresse rankt malerisch über den Rand.

Am Zaun: Rankende Sorten als schneller Sichtschutz – in 8 Wochen ist der Zaun begrünt!

Eine Erinnerung aus meiner Kindheit

Meine Großmutter hatte ein kleines Holzhäuschen im Garten – das „Blumenhaus“ nannte sie es. Jeden Sommer ließ sie orangerote Kapuzinerkresse die Wände hochranken. Als Kind fand ich es magisch, durch den blühenden Vorhang ins Häuschen zu schlüpfen.

Sie erzählte mir, die Blüten seien essbar, und ich kostete vorsichtig – diesen würzigen Geschmack habe ich nie vergessen.

Heute rankt Kapuzinerkresse an meinem Gartenhaus empor, und wenn meine Nichten zu Besuch kommen, erzähle ich ihnen dieselbe Geschichte und lasse sie Blüten probieren. Die Begeisterung in ihren Augen ist dieselbe wie damals in meinen.

Samen sammeln für nächstes Jahr

Kapuzinerkresse sät sich oft selbst aus, aber Sie können auch gezielt Samen sammeln:

  • Reife Samen sind braun-grün und fallen leicht ab
  • Im September/Oktober sammeln
  • Trocknen lassen (1 Woche auf Zeitungspapier)
  • In Papiertüten kühl und trocken lagern
  • Haltbarkeit: 3-4 Jahre

Die Anfängerpflanze schlechthin

Kapuzinerkresse ist für mich die ideale Einstiegspflanze für neue Gärtner und zugleich eine treue Begleiterin für Erfahrene. Sie ist pflegeleicht, schnellwüchsig, wunderschön, essbar, heilkräftig und nützlich im Garten – was will man mehr?

Säen Sie dieses Jahr unbedingt Kapuzinerkresse! Sie werden begeistert sein, versprochen.

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sabine Hoffmann

sabine Hoffmann

Sabine Hoffmann ist Gärtnerin aus Leidenschaft und DIY-Enthusiastin aus dem Schwarzwald. Seit über 20 Jahren kultiviert sie ihren eigenen Gemüsegarten und teilt ihr Wissen über nachhaltiges Gärtnern und kreative Selbermach-Projekte.Für Sabine ist der Garten nicht nur ein Hobby, sondern eine Lebensphilosophie. Sie zeigt, wie man mit einfachen Mitteln einen blühenden Garten gestaltet und dabei die Natur respektiert.In ihrer Freizeit erkundet sie gerne lokale Märkte auf der Suche nach alten Samen-Sorten und antiken Gartenwerkzeugen.

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