Liebe Gartenfreunde, als ich vor fünf Jahren meine erste Kräuterspirale baute, war ich unsicher: Würde das wirklich funktionieren? So viele verschiedene Kräuter auf kleinstem Raum, jedes mit anderen Ansprüchen? Heute kann ich sagen: Die Kräuterspirale ist eines der genialsten Permakultur-Konzepte überhaupt!
Ich möchte Ihnen zeigen, welche Kräuter wohin gehören und wie Sie das Maximum aus Ihrer Spirale herausholen.
Eine Kräuterspirale ist nicht nur praktisch, sie ist auch wunderschön anzusehen und ein Hotspot für Insekten. Auf gerade mal 2-3 Quadratmetern schaffen Sie vier verschiedene Klimazonen – vom feuchten Teichrand bis zur trockenen Bergkuppe.
Die vier Zonen der Kräuterspirale verstehen
Das Besondere an der Kräuterspirale ist ihr cleveres Design. Durch die spiralförmige Aufschichtung entstehen automatisch unterschiedliche Standorte:
Zone 1: Wasserzone (unten, Nord)
Bedingungen: Feucht, halbschattig, nährstoffreich
Dies ist der tiefste Punkt, oft mit einem kleinen Teich oder Wasserschale. Perfekt für Kräuter, die es gerne feucht mögen.
Zone 2: Feuchtzone (unterer Bereich)
Bedingungen: Mäßig feucht, halbschattig bis sonnig, humusreich
Hier ist der Boden noch gut mit Wasser versorgt, trocknet aber schneller ab als die Wasserzone.
Zone 3: Normalzone (mittlerer Bereich)
Bedingungen: Mäßig trocken, sonnig, nährstoffreich
Der Mittelbereich bietet gemäßigte Bedingungen – ideal für die meisten Küchenkräuter.
Zone 4: Mittelmeerzone (oben, Süd)
Bedingungen: Trocken, vollsonnig, mager
Die Krone der Spirale ist warm, trocken und durchlässig – wie in der mediterranen Heimat vieler Kräuter.
Die perfekten Kräuter für jede Zone
Wasserzone – Die Durstigen
Brunnenkresse: Mein Favorit für die Wasserzone! Sie wächst direkt im flachen Wasser (3-5cm tief) und liefert den ganzen Sommer über würzige Blätter für Salate.
Bachbunge: Ähnlich wie Brunnenkresse, steht gerne mit den Füßen im Wasser. Die Blätter schmecken mild-würzig.
Kalmus: Ein historisches Heilkraut mit schwertförmigen Blättern. Steht gerne am Wasserrand. Die Wurzel wurde früher kandiert.
Mein Tipp: Wenn Sie keinen echten Teich möchten, versenken Sie eine flache Schale (20cm tief) in die Erde und pflanzen Sie die Kräuter in Töpfe, die im Wasser stehen.
Feuchtzone – Die Halbschattigen
Schnittlauch: Der Klassiker! Mag es gerne feucht und nährstoffreich. Ich schneide von März bis Oktober regelmäßig nach – er treibt immer wieder aus.
Petersilie: Sowohl glatte als auch krause Petersilie gedeihen hier prächtig. Ich säe im Frühjahr neu aus und ernte bis zum Winter.
Kerbel: Dieses zarte Kraut mit dem Anisaroma liebt Halbschatten und Feuchtigkeit. Perfekt für Kräuterquark und Salate.
Zitronenmelisse: Wächst hier üppig – fast zu üppig! Ich schneide sie regelmäßig zurück, sonst überwuchert sie die Nachbarn. Herrlich für Tee!
Liebstöckel (Maggikraut): Ein Kraftpaket, das viel Platz braucht. Eine Pflanze reicht! Die Blätter würzen Suppen intensiv.
Pfefferminze: Vorsicht, sie wuchert! Ich pflanze sie in einen versenkten Topf (ohne Boden), um sie zu begrenzen. Perfekt für Mojito und Tee.
Normalzone – Die Allrounder
Basilikum: Bei mir steht er in der warmen Normalzone. Ich pflanze jedes Jahr neue Pflanzen nach den Eisheiligen. Wichtig: Regelmäßig entspitzen für buschiges Wachstum!
Oregano: Ein Muss in der italienischen Küche! Bleibt kompakt, blüht wunderschön rosa im Sommer. Bienen lieben ihn!
Koriander: Für alle, die ihn lieben (ich gehöre dazu!). Ich säe alle 3-4 Wochen nach, da er schnell in Blüte geht.
Dill: Ebenfalls ein Nachsaatkandidat. Die feinen Blätter passen perfekt zu Gurken und Fisch. Auch die Blüten sind essbar!
Borretsch: Die wunderschönen blauen Sternchenblüten sind essbar und schmecken nach Gurke. Eine Insektenweide ersten Ranges!
Mittelmeerzone – Die Sonnenanbeter
Thymian: Der König der Kräuterspirale-Spitze! Liebt Trockenheit und volle Sonne. Ich habe drei Sorten: Zitronenthymian, Kümmelthymian und klassischen Thymian.
Rosmarin: Leider nur bedingt winterhart (unter -10°C wird’s kritisch). Ich decke ihn im Winter mit Tannenzweigen ab. Der Duft ist unbeschreiblich!
Salbei: Robust, trockenheitsverträglich, immergrün. Die silbrigen Blätter sind dekorativ, der Geschmack intensiv. Perfekt zu Pasta!
Lavendel: Nicht nur schön und duftend, auch essbar! Die Blüten verwende ich in Keksen oder Sirup. Bienen- und Schmetterlingsmagnet!
Currykraut (Helichrysum): Riecht tatsächlich nach Curry! Die Blätter würzen mediterrane Gerichte. Trockenheitsliebend und winterhart.
Bergbohnenkraut: Kompakt, winterhart, pflegeleicht. Schmeckt pfeffrig und passt hervorragend zu Bohnengerichten.
Meine Bepflanzungsstrategie
Im Frühjahr (März-April)
Ich beginne mit den winterharten, mehrjährigen Kräutern:
- Oben: Thymian, Salbei, Lavendel, Currykraut
- Mitte: Oregano, winterharter Majoran
- Unten: Schnittlauch, Liebstöckel, Pfefferminze
Diese bleiben jahrelang an ihrem Platz und bilden das Grundgerüst.
Nach den Eisheiligen (ab Mitte Mai)
Jetzt kommen die einjährigen und frostempfindlichen Kräuter dazu:
- Basilikum in die Normalzone
- Rosmarin an die Spitze (im Topf, zum Überwintern drinnen)
- Petersilie und Kerbel in die Feuchtzone
Laufend nachsäen
Einige Kräuter säe ich mehrmals im Jahr nach:
- Koriander (März, Mai, Juli)
- Dill (April bis August alle 4 Wochen)
- Basilikum (Mai, Juni für Nachschub)
- Kerbel (März, August)
Bodenvorbereitung für jede Zone
Mittelmeerzone (oben):
- Mageres Substrat: 2 Teile Gartenerde + 1 Teil Sand + 1 Teil Kies
- Keine zusätzliche Düngung!
- Drainage am wichtigsten
Normalzone (Mitte):
- Normale Gartenerde mit etwas Kompost gemischt
- Im Frühjahr eine Handvoll Kompost pro Pflanze
Feuchtzone (unten):
- Humusreiche Erde, gerne mit Kompost angereichert
- Speichert Feuchtigkeit gut
Wasserzone:
- Schwere, lehmige Erde, die Wasser hält
- Oder direkt Teichsubstrat
Pflege durch das Jahr
Gießen
Das Schöne an der Kräuterspirale: Sie müssen nicht überall gleich gießen!
Oben (Mittelmeerzone): Kaum gießen, nur bei extremer Trockenheit. Diese Kräuter mögen’s knochentrocken.
Mitte (Normalzone): Bei Trockenheit 1-2x pro Woche durchdringend gießen.
Unten (Feuchtzone): Regelmäßig gießen, die Erde sollte nie ganz austrocknen.
Wasserzone: Wasserspiegel im Auge behalten, bei Hitze nachfüllen.
Mein Trick: Ich gieße immer von oben nach unten. Das Wasser fließt von selbst in die unteren Zonen.
Düngen
Oben: Nie düngen! Mediterrane Kräuter werden bei Düngung weich und verlieren Aroma.
Mitte und unten: Im Frühjahr eine Schicht Kompost (2-3cm) aufbringen. Im Sommer bei Bedarf mit verdünnter Brennnesseljauche (1:20) gießen.
Rückschnitt
Frühjahr: Verholzte Kräuter wie Thymian, Salbei, Lavendel um ein Drittel zurückschneiden. Das fördert kompaktes Wachstum.
Sommer: Regelmäßig ernten = regelmäßiger Rückschnitt. Das hält die Pflanzen buschig und vital.
Herbst: Mehrjährige Kräuter nicht mehr stark schneiden – sie brauchen ihre Triebe als Winterschutz.
Winterschutz
Winterharte Kräuter (Thymian, Salbei, Oregano): Brauchen kaum Schutz. Ich decke sie leicht mit Tannenzweigen ab.
Bedingt winterhart (Rosmarin, Currykraut): Dick mit Laub oder Vlies abdecken.
Nicht winterhart (Basilikum, Zitronenverbene): Vor dem Frost ernten oder ins Haus holen.
Erntetipps für maximalen Ertrag
Morgens ernten: Das Aroma ist vormittags am intensivsten, nachdem der Tau abgetrocknet ist.
Vor der Blüte: Die meisten Kräuter haben vor der Blüte das stärkste Aroma. Ausnahme: Oregano schmeckt während der Blüte am besten!
Nie komplett kahlernten: Immer mindestens ein Drittel der Pflanze stehen lassen.
Regelmäßig schneiden: Lieber öfter wenig als selten viel. Das hält die Pflanzen jung und vital.
Häufige Probleme lösen
Problem: Pfefferminze überwuchert alles
Lösung: In einen versenkten Topf (ohne Boden) pflanzen oder regelmäßig Ausläufer entfernen.
Problem: Basilikum geht ständig ein
Lösung: Zu nass! Basilikum mag es warm, aber nicht nass. Seltener gießen, eventuell höher pflanzen.
Problem: Lavendel blüht nicht
Lösung: Zu nährstoffreich oder zu wenig Sonne. An die Spitze umpflanzen, nicht düngen.
Problem: Schnecken fressen alles
Lösung: Schneckenresistente Kräuter bevorzugen (Thymian, Rosmarin, Salbei). Bei empfindlichen Kräutern Schneckenkragen anbringen.
Meine Lieblingskombi für Anfänger
Wenn Sie gerade erst starten, empfehle ich diese pflegeleichte Basis-Bepflanzung:
Oben: 1x Thymian, 1x Salbei, 1x Lavendel
Mitte: 1x Oregano, 2x Basilikum (nacheinander pflanzen)
Unten: 1x Schnittlauch, 1x Petersilie, 1x Pfefferminze (im Topf!)
Diese neun Pflanzen decken 80% des Kräuterbedarfs ab und sind leicht zu pflegen!
Eine Beobachtung aus meinem Garten
Letzten Sommer hatte ich ein besonderes Erlebnis: Ich saß abends neben meiner Kräuterspirale und beobachtete das Leben darin. Hummeln summten im Lavendel, Schmetterlinge besuchten den Oregano, eine Erdkröte hockte in der Wasserzone. Die Kräuterspirale war nicht nur meine Gewürzquelle, sie war ein lebendiger Mikrokosmos geworden!
Das ist für mich das Schönste an der Kräuterspirale: Sie verbindet Nützliches mit Ökologie. Jede Pflanze, jedes Insekt hat seinen Platz. Pure Permakultur!
Vielfalt auf kleinstem Raum
Die Kräuterspirale ist ein Meisterwerk der Permakultur – durchdacht, effizient, schön. Auf wenigen Quadratmetern schaffen Sie Lebensraum für Dutzende Kräuter und unzählige Insekten. Die richtige Bepflanzung macht den Unterschied zwischen Frust und Erfolg.
Folgen Sie den Bedürfnissen der Pflanzen, respektieren Sie die Zonen, und Ihre Kräuterspirale wird Sie jahrelang mit frischen Aromen verwöhnen!
Mit würzigen Grüßen aus dem Schwarzwald,
Ihre Sabine


