Ollas selber bauen: Bewässerung für Hochbeet & Garten

Liebe Gartenfreunde, letzte Sommer stand ich verzweifelt vor meinem vertrockneten Hochbeet. Trotz täglichem Gießen schien das Wasser zu verdunsten, bevor die Pflanzen es aufnehmen konnten.

Dann erinnerte ich mich an ein Bild aus einem alten Gartenbuch: Tontöpfe, die in der Erde vergraben waren – Ollas. Diese jahrtausendealte Bewässerungstechnik hat meinen Garten revolutioniert, und heute möchte ich Ihnen zeigen, wie Sie sich Ihre eigenen Ollas bauen können – praktisch zum Nulltarif.

Ollas (sprich: „Ojas“) sind poröse Tongefäße, die in die Erde eingegraben werden und mit Wasser gefüllt sind. Das Wasser sickert langsam durch die Poren und bewässert die Wurzeln direkt – genau dort, wo es gebraucht wird. Keine Verdunstung, keine Verschwendung, glückliche Pflanzen.

Warum Ollas so effektiv sind

Die Vorteile dieser Methode haben mich sofort überzeugt:

Wassersparend: Sie sparen bis zu 70% Wasser gegenüber herkömmlichem Gießen! Das Wasser verdunstet nicht an der Oberfläche, sondern geht direkt zu den Wurzeln.

Zeitersparnis: Ich fülle meine Ollas nur alle 3-7 Tage auf – je nach Wetter und Pflanze. Tägliches Gießen gehört der Vergangenheit an.

Gesündere Pflanzen: Die gleichmäßige Feuchtigkeit verhindert Stress. Tomaten bekommen keine Blütenendfäule mehr, und die Wurzeln wachsen tief statt flach.

Automatische Bedarfsbewässerung: Die Pflanzen „ziehen“ das Wasser aus der Olla, wenn sie es brauchen. Bei Regen nehmen sie weniger, bei Hitze mehr – genial!

Material für selbstgemachte Ollas

Sie brauchen wirklich nicht viel, und das meiste haben Sie vielleicht schon zu Hause:

Variante 1: Die klassische Doppeltopf-Olla

  • 2 Terrakotta-Töpfe in ähnlicher Größe (unglasiert!)
  • Wasserfester Kleber oder Silikon
  • Ein Korken oder flacher Stein als Verschluss
  • Optional: Ein kleiner Untersetzer als Deckel

Wichtig: Die Töpfe müssen aus echtem, unglasiertem Terrakotta sein! Glasierte Töpfe sind wasserdicht und funktionieren nicht. Der einfache Test: Füllen Sie Wasser ein – wenn es nach einigen Minuten durchsickert, passt es.

Variante 2: Die Budget-Olla aus einem Topf

  • 1 großer Terrakotta-Topf
  • 1 Tonscherbe oder Fliesenteil für den Boden
  • Wasserfester Kleber
  • Korken oder Deckel

Schritt-für-Schritt-Anleitung: Doppeltopf-Olla

So baue ich meine Ollas – es ist kinderleicht!

Schritt 1: Töpfe vorbereiten

Bei einem der beiden Töpfe verschließe ich das Abflussloch im Boden. Dafür nutze ich einen Korken, den ich von außen fest in das Loch drücke. Alternativ klebe ich eine Tonscherbe mit wasserfestem Silikon von innen über das Loch. Das muss gut dicht sein!

Schritt 2: Töpfe verbinden

Ich trage großzügig wasserfesten Außenkleber oder Silikon auf die Ränder beider Töpfe auf und presse sie fest zusammen – Rand auf Rand, sodass die Öffnungen zueinander zeigen. Die verschlossene Seite zeigt nach unten.

Mein Tipp: Beschweren Sie die Töpfe während des Trocknens mit einem Stein, damit sie fest verbunden werden. Ich lasse das Ganze 24 Stunden trocknen.

Schritt 3: Test

Bevor ich die Olla eingrabe, fülle ich sie mit Wasser und lasse sie ein paar Stunden stehen. Läuft unten Wasser heraus? Dann ist der Verschluss nicht dicht – nachbessern! Sickert Wasser durch die Seitenwände? Perfekt!

Schritt 4: Eingraben

Die Olla wird so eingegraben, dass nur noch die obere Öffnung (etwa 5cm) herausschaut. Das ist wichtig, damit kein Gießwasser oder Regen unkontrolliert von oben hineinläuft.

Abstand zu den Pflanzen: Ich setze die Pflanzen etwa 15-30cm von der Olla entfernt ein. Die Wurzeln finden von selbst den Weg zum Wasser.

Größen und Reichweite richtig wählen

Die Größe der Olla bestimmt, wie viele Pflanzen sie versorgen kann:

Kleine Ollas (1-2 Liter): Perfekt für einzelne Tomatenpflanzen oder kleine Hochbeete. Reichweite etwa 30cm rundherum.

Mittlere Ollas (3-5 Liter): Meine Standardgröße für Gemüsebeete. Eine Olla versorgt 3-4 Tomatenpflanzen oder ein 80x80cm Hochbeet. Reichweite etwa 50cm.

Große Ollas (8-10 Liter): Für große Beete oder Kürbisse. Eine Olla reicht für 1-1,5m² Fläche.

Faustregel für Hochbeete: Ein Standard-Hochbeet (1x2m) braucht 2-3 mittlere Ollas für optimale Versorgung.

Einfache Alternative: Die Eintopf-Olla

Sie haben nur einen Topf? Kein Problem! Diese Methode nutze ich für kleinere Kübelpflanzen:

  1. Verschließen Sie das Bodenloch mit einer aufgeklebten Tonscherbe
  2. Graben Sie den Topf ein, sodass der Rand 5cm herausschaut
  3. Füllen Sie mit Wasser und verschließen Sie die Öffnung mit einem Untersetzer

Diese Version fasst weniger Wasser, aber für Balkontomaten oder einzelne Paprikapflanzen reicht sie vollkommen.

Pflege und Befüllung der Ollas

  • Befüllen: Ich fülle meine Ollas alle 3-5 Tage auf. Im Hochsommer bei großer Hitze auch öfter. Man sieht an der Wasserstandshöhe, wie viel die Pflanzen genommen haben.
  • Verschließen: Die Öffnung sollte verschlossen sein, um Verdunstung und Insekten zu vermeiden. Ich nutze alte Untersetzer, flache Steine oder Korken.
  • Winter: Vor dem ersten Frost grabe ich die Ollas aus! Gefrorenes Wasser würde den Ton sprengen. Ich lagere sie trocken im Schuppen.
  • Reinigung: Einmal jährlich spüle ich die Ollas mit klarem Wasser aus. Bei Kalkablagerungen helfe ich mit etwas Essigwasser nach.

Ideale Pflanzen für Olla-Bewässerung

Tomaten: Meine Tomaten lieben Ollas! Gleichmäßige Feuchtigkeit = keine geplatzten Früchte, keine Blütenendfäule. Ich setze pro Pflanze eine kleine Olla.

Paprika und Chili: Gedeihen hervorragend mit Olla-Bewässerung. Sie mögen es gleichmäßig feucht, aber nicht nass.

Gurken und Zucchini: Diese Wasserschlucker profitieren enorm. Eine mittlere Olla pro Pflanze reicht.

Salat und Kräuter: Im Hochbeet mit Ollas wachsen sie den ganzen Sommer über prächtig.

Blühpflanzen: Petunien, Geranien im Balkonkasten – mit einer kleinen Olla reduzieren Sie das Gießen drastisch.

Meine Erfahrungen aus dem letzten Sommer

Im Juli letzten Jahres fuhr ich für zwei Wochen in Urlaub. Normalerweise hätte ich jemanden zum Gießen gebraucht. Dank meiner sechs Ollas im Hochbeet füllte ich sie vor der Abreise randvoll – das war’s. Als ich zurückkam, standen meine Tomaten, Paprika und Zucchini saftig grün da, als wäre ich nie weg gewesen.

Meine Nachbarin, die täglich ihre Pflanzen goss, kämpfte mit welken Blättern und Trockenstress. Das war der Moment, in dem sie sich ihre ersten Ollas bestellte – mittlerweile hat sie mehr als ich!

Häufige Fehler vermeiden

Glasierte Töpfe verwenden: Sie sind wasserdicht und nutzlos für Ollas.

Zu tief eingraben: Wenn nur noch die Öffnung herausschaut, können Sie nicht sehen, wann nachgefüllt werden muss.

Nicht abdichten: Offene Ollas sind Brutstätten für Mücken!

Im Winter draußen lassen: Gefrorenes Wasser sprengt den Ton.

Bewässerung neu gedacht

Ollas sind für mich eine der besten Entdeckungen der letzten Jahre. Sie sparen Zeit, Wasser und schenken den Pflanzen genau das, was sie brauchen – wann sie es brauchen. Und das Beste: Sie kosten fast nichts und sind in einer halben Stunde gebaut.

Probieren Sie es aus! Beginnen Sie mit einer Olla im Hochbeet oder bei Ihren Tomaten. Sie werden den Unterschied sehen – und nie wieder anders gießen wollen.

Mit feuchten Grüßen aus dem Schwarzwald,
Ihre Sabine

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sabine Hoffmann

sabine Hoffmann

Sabine Hoffmann ist Gärtnerin aus Leidenschaft und DIY-Enthusiastin aus dem Schwarzwald. Seit über 20 Jahren kultiviert sie ihren eigenen Gemüsegarten und teilt ihr Wissen über nachhaltiges Gärtnern und kreative Selbermach-Projekte.Für Sabine ist der Garten nicht nur ein Hobby, sondern eine Lebensphilosophie. Sie zeigt, wie man mit einfachen Mitteln einen blühenden Garten gestaltet und dabei die Natur respektiert.In ihrer Freizeit erkundet sie gerne lokale Märkte auf der Suche nach alten Samen-Sorten und antiken Gartenwerkzeugen.

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