Anfang November stand ich frierend in meinem Garten und dachte: Die Saison ist vorbei. Die letzten Tomaten sind geerntet, die Beete werden langsam leer, Zeit, es sich drinnen gemütlich zu machen.
Dann traf ich meine Nachbarin, eine 73-jährige Gärtnerin aus dem Schwarzwald, die gerade dabei war, Knoblauchzehen in die Erde zu stecken.
„Im November? Ist es dafür nicht zu spät?“, fragte ich verwundert. Sie lachte und erklärte mir, dass November nicht das Ende, sondern der perfekte Anfang für Knoblauch und bestimmte Zwiebeln ist. Was sie mir an diesem Tag beibrachte, hat meine Gartenplanung komplett verändert – und meine Ernten im Frühjahr verdreifacht.
Warum gerade der November perfekt für Knoblauch und Zwiebeln ist
Es klingt paradox: Pflanzen setzen, wenn es kalt wird? Aber genau das macht den Unterschied.
Kälte als Wachstumsimpuls: Knoblauch und Winterzwiebeln brauchen eine Kälteperiode, um im Frühjahr richtig durchzustarten. Dieser Prozess heißt Vernalisation – die Pflanze „merkt“ sich den Winter und weiß dann im Frühjahr: Jetzt ist Zeit zum Wachsen. Setzen Sie Knoblauch im Frühjahr, fehlt ihm diese Kältephase, und die Ernte fällt deutlich kleiner aus.
Die im November gesetzten Zehen bilden noch vor dem ersten Frost Wurzeln. Sie überwintern ruhig in der Erde und haben dadurch im Frühjahr einen enormen Vorsprung. Während andere Gärtner im März erst anfangen zu säen, treiben Ihre Pflanzen bereits kräftig aus.
Weniger Unkrautdruck: Im November wächst kaum Unkraut. Ihre Knoblauch- und Zwiebelpflanzen können sich in Ruhe etablieren, ohne von schnell wachsenden Konkurrenten bedrängt zu werden. Im Frühjahr, wenn das Unkraut erwacht, sind Ihre Pflanzen schon so kräftig, dass sie sich durchsetzen können.
Bessere Wurzelbildung: Der feuchte Herbstboden und die milden Novembertemperaturen sind ideal für die Wurzelbildung. Die Zehen haben Zeit, sich zu verwurzeln, ohne dass oberirdisch schon viel passiert. Diese starken Wurzeln sind die Basis für gesunde, große Knollen im Sommer.
Schritt-für-Schritt-Anleitung für faule Gärtner
Ich verspreche Ihnen: Das ist die unkomplizierteste Gartenarbeit des ganzen Jahres.
Boden vorbereiten: Lockern Sie den Boden nur grob mit einer Grabegabel. Knoblauch und Zwiebeln mögen keine verdichtete Erde, aber Sie müssen nicht perfekt umgraben. Entfernen Sie große Steine und Wurzeln, das reicht.
Falls Ihr Boden sehr schwer und lehmig ist, mischen Sie eine Handvoll Sand oder reifen Kompost unter. Knoblauch mag durchlässige Erde – Staunässe ist sein größter Feind.
Pflanzabstände und -tiefe – ganz einfach: Für Knoblauch gilt: Stecken Sie die einzelnen Zehen mit der Spitze nach oben etwa zwei Fingerbreit tief in die Erde. Der Abstand zwischen den Zehen sollte eine Handbreit betragen (etwa 15 cm). Zwischen den Reihen lassen Sie zwei Handbreit Platz (etwa 25 cm).
Für Steckzwiebeln: Setzen Sie die kleinen Zwiebeln so tief, dass gerade noch die Spitze herausschaut. Abstand wie beim Knoblauch: eine Handbreit zwischen den Zwiebeln.
Diese Faustregeln funktionieren immer – Sie brauchen kein Maßband.
Die Mulch-Schicht – Ihr bester Freund: Bedecken Sie das gesamte Beet mit einer etwa 5 cm dicken Schicht aus Laub, Stroh oder Rasenschnitt. Dieser Mulch schützt vor extremem Frost, hält die Feuchtigkeit im Boden und wird über den Winter langsam zu wertvollem Humus.
Ich nutze dafür das Laub aus meinem Garten – praktischerweise fällt das ja genau im November an. So verbinde ich zwei sinnvolle Aufgaben: Laub verwerten und Beete schützen.
5 Fehler, die deine Knoblauch-Ernte ruinieren
Fehler 1: Zu dichter Boden
Knoblauch hasst Staunässe. In schwerem, lehmigem Boden ohne Drainage faulen die Zehen schnell. Lockern Sie den Boden gut auf oder heben Sie das Beet leicht an, damit Wasser abfließen kann.
Fehler 2: Falscher Standort
Wählen Sie einen sonnigen Platz. Knoblauch und Zwiebeln brauchen Licht und sollten nie im Schatten oder in Senken stehen, wo sich Wasser sammelt. Wenn Ihr Beet im Winter regelmäßig unter Wasser steht, ist es der falsche Standort.
Fehler 3: Supermarkt-Knoblauch verwenden
Der Knoblauch aus dem Supermarkt ist oft chemisch behandelt, damit er nicht austreibt. Außerdem stammt er meist aus südlichen Ländern und ist nicht an unser Klima angepasst. Kaufen Sie Pflanzknoblauch im Gartencenter oder online – er ist robust, keimfähig und für unser Klima gezüchtet.
Ich verwende am liebsten heimische Sorten wie „Morado“ oder „Germidour“. Sie sind winterhart und liefern zuverlässig große Knollen.
Fehler 4: Zu dichter Pflanzabstand
Wenn die Zehen zu eng stehen, konkurrieren sie um Nährstoffe und Platz. Das Ergebnis: viele kleine statt wenige große Knollen. Halten Sie sich an die Handbreit-Regel – auch wenn das Beet anfangs leer aussieht.
Fehler 5: Kein Mulch
Ohne Schutzschicht können strenge Fröste die Zehen schädigen. Außerdem trocknet der Boden im Winter bei Wind und Sonne aus. Mulch ist Ihre Versicherung – kostenlos, einfach und extrem wirkungsvoll.
Was du im Frühjahr als Erstes tun solltest
Ende Februar oder Anfang März, wenn die ersten grünen Spitzen durch den Mulch brechen, ist es Zeit für ein kleines Frühjahrs-Update.
Mulch zur Seite schieben: Schieben Sie die Mulchschicht vorsichtig zur Seite, damit die jungen Triebe Licht und Wärme bekommen. Den Mulch können Sie zwischen den Reihen liegen lassen – dort unterdrückt er weiterhin Unkraut und versorgt den Boden mit Nährstoffen.
Sanft nachdüngen: Knoblauch und Zwiebeln sind keine Starkzehrer, aber eine kleine Nährstoffgabe im Frühjahr schadet nicht. Streuen Sie reifen Kompost um die Pflanzen herum oder gießen Sie sie mit verdünnter Brennnesseljauche.
Falls Sie keinen Kompost haben: Kaffeesatz, zerkleinerte Eierschalen oder eine dünne Schicht Hornspäne funktionieren ebenfalls. Alles, was langsam Stickstoff abgibt, hilft den Pflanzen beim Wachstum.
Gießen nur bei extremer Trockenheit: Im Frühjahr regnet es meist ausreichend. Gießen Sie nur, wenn es wochenlang trocken ist. Knoblauch mag es eher trocken als zu feucht.
Ab Mai: Blütenstiele abbrechen: Knoblauch bildet manchmal Blütenstiele. Brechen Sie diese ab, sobald sie erscheinen – sonst steckt die Pflanze Energie in die Blüte statt in die Knolle. Diese Blütenstiele (Scapes genannt) sind übrigens essbar und schmecken wunderbar in Pesto oder Salaten.
Der Lohn im Sommer
Ab Ende Juni können Sie Ihren Knoblauch ernten – etwa drei Wochen bevor die im Frühjahr gesetzten Pflanzen reif wären. Die Knollen sind größer, lagerfähiger und intensiver im Geschmack.
Steckzwiebeln ernten Sie bereits im Mai oder Juni. Frische Zwiebeln aus dem eigenen Garten – das ist ein Genuss, den Sie nie vergessen werden.
Ich ernte jedes Jahr etwa 3 kg Knoblauch von einer Beetfläche von gerade mal 2 Quadratmetern. Das reicht für meine Familie das ganze Jahr über. Kein Supermarkt-Knoblauch kann geschmacklich mithalten.
Fangen Sie heute an
Es ist November – die perfekte Zeit. Besorgen Sie sich Pflanzknoblauch und Steckzwiebeln, lockern Sie ein kleines Beet, stecken Sie die Zehen in die Erde, decken Sie alles mit Laub zu. In zwanzig Minuten sind Sie fertig.
Und dann heißt es: warten. Die Natur macht den Rest. Im Frühjahr werden Sie staunen, wenn die ersten grünen Spitzen aus der Erde schauen. Und im Sommer werden Sie ernten, was Sie im kalten November mit wenig Aufwand gesät haben.
Ihr Garten wird es Ihnen danken – und Ihre Küche auch.


