Guten Tag, Markus Weber hier. In 15 Jahren Gastronomie habe ich unzählige Umbauten miterlebt. Regale werden versetzt, Bilder umgehängt, Küchen umgestaltet. Dabei müssen alte Dübel raus – und das ohne die Wand zu ruinieren. Heute zeige ich Ihnen die Tricks, mit denen Profis arbeiten.
Das Problem kennen Sie: Der Dübel sitzt fest in der Wand, und einfaches Ziehen funktioniert nicht. Sie versuchen es mit Gewalt, und plötzlich bricht die Wand aus.
In Restaurants wäre das ein Desaster – Gäste sehen diese Schäden sofort. Deshalb haben wir Methoden entwickelt, die funktionieren ohne Spuren zu hinterlassen.
Warum dübel so fest sitzen
Dübel sind dafür gemacht, fest zu sitzen. Sie spreizen sich in der Wand und verkrallen sich regelrecht. Je älter der Dübel, desto fester sitzt er meist. In alten Gebäuden haben wir Dübel gesehen, die jahrzehntealt waren – die zu entfernen ist eine echte Herausforderung.
Die Wandbeschaffenheit spielt eine Rolle. In weichen Wänden (Gipskarton, Porenbeton) lassen sich Dübel oft einfacher entfernen. In harten Wänden (Vollziegel, Beton) sitzen sie bombenfest. Sie müssen Ihre Strategie an die Wand anpassen.
Methode 1: dübel herausziehen mit der Zange
Der einfachste Weg ist das direkte Herausziehen. Greifen Sie den Dübel mit einer Kombizange oder Kneifzange am Rand und ziehen Sie ihn gerade heraus. Drehen Sie dabei leicht hin und her – das lockert den Dübel. In vielen Fällen funktioniert diese Methode, besonders bei Kunststoffdübeln.
Wenn der Dübel tief in der Wand sitzt, haben Sie keinen Ansatzpunkt für die Zange. Dann müssen Sie ihn erst freilegen. Kratzen Sie vorsichtig mit einem Schraubendreher um den Dübel herum, bis Sie genug Fläche zum Greifen haben.
Arbeiten Sie behutsam, um die Wand nicht mehr als nötig zu beschädigen.
Methode 2: schraube eindrehen und herausziehen
Wenn Methode 1 nicht klappt, drehen Sie eine Schraube in den Dübel. Die Schraube sollte etwas dicker sein als das ursprüngliche Loch im Dübel – so greift sie gut. Drehen Sie die Schraube etwa zur Hälfte ein, nicht ganz durch.
Jetzt haben Sie einen Hebel. Setzen Sie eine Beißzange oder Kombizange an der Schraube an und ziehen Sie. Die Hebelwirkung ist enorm. Dübel, die vorher nicht zu bewegen waren, kommen so oft problemlos raus. In Restaurants ist das unsere Standardmethode – sie funktioniert in 80 Prozent der Fälle.
Methode 3: korkenzieher-Technik für hartnäckige Fälle
Ein Korkenzieher kann Wunder wirken. Drehen Sie ihn in den Dübel wie in einen Korken. Der spiralförmige Draht verkrallt sich im Kunststoff. Dann ziehen Sie – genau wie bei einer Weinflasche. Diese Methode klingt unkonventionell, aber sie funktioniert.
Ich habe in Restaurants oft improvieren müssen. Ein Korkenzieher war häufiger zur Hand als Spezialwerkzeug. Die Methode ist besonders gut für tiefe Dübel in Hohlräumen geeignet. Der Korkenzieher erreicht Tiefen, die für Zangen unzugänglich sind.
Methode 4: dübel versenken statt entfernen
Manchmal ist der Dübel einfach nicht zu entfernen ohne die Wand massiv zu beschädigen. Dann bleibt nur: versenken. Schlagen Sie den Dübel mit einem Hammer und einem Nagel tiefer in die Wand. Ein bis zwei Zentimeter reichen meist.
Verschließen Sie das Loch dann mit Spachtelmasse. Nach dem Trocknen schleifen Sie glatt und streichen über. Das Ergebnis sieht aus wie eine frische Wand. In Restaurants machen wir das bei Renovierungen ständig. Die Gäste sehen nie, dass dort mal ein Dübel war.
Spezialfall: hohlraumdübel entfernen
Hohlraumdübel (Kippdübel, Federklappdübel) sind tückisch. Sie spreizen sich hinter der Wand auf. Einfaches Herausziehen zerstört die Wand. Die einzige Lösung: Versenken Sie sie in die Wand. Drücken Sie den Dübel durch das Loch in den Hohlraum dahinter.
Bei Gipskartonwänden geht das meist problemlos. Der Dübel fällt in den Hohlraum und ist weg. Verschließen Sie das Loch mit Spachtelmasse. In Restaurants haben wir ständig mit Gipskarton zu tun – diese Methode ist dort Standard.
Die richtige spachteltechnik
Egal welche Methode Sie verwenden – am Ende bleibt ein Loch. Gute Spachteltechnik macht den Unterschied zwischen sichtbar und unsichtbar. Reinigen Sie das Loch gründlich von Staub und losen Teilen. Feuchten Sie die Ränder leicht an – die Spachtelmasse haftet besser.
Füllen Sie das Loch mit Spachtelmasse. Bei tiefen Löchern arbeiten Sie in Schichten – jede Schicht muss trocknen, bevor die nächste kommt. Ziehen Sie die letzte Schicht glatt ab.
Nach dem Trocknen schleifen Sie mit feinem Schleifpapier. Das Ergebnis sollte mit der Wand eine Ebene bilden.
Welche werkzeuge Sie brauchen
Ein Grundset reicht meist: Kombizange, Schraubendreher, Hammer, Spachtelmasse, Schleifpapier. In Restaurants haben wir natürlich professionelles Werkzeug, aber für den Hausgebrauch genügen diese Basics. Investieren Sie in gute Qualität – billige Zangen brechen bei hartnäckigen Dübeln.
Ein Akkuschrauber ist hilfreich, wenn Sie viele Dübel entfernen müssen. Mit ihm können Sie Schrauben schnell ein- und ausdrehen. In der Gastronomie arbeiten wir nur noch mit Akkuwerkzeug – es spart enorm viel Zeit.
Fehler, die Sie vermeiden sollten
Ziehen Sie niemals mit voller Kraft, ohne die Wand abzustützen. Das kann große Stücke herausbrechen. Legen Sie eine Hand flach auf die Wand neben dem Dübel. So spüren Sie, wenn zu viel Spannung entsteht. In Restaurants haben wir gelernt: Gefühl ist wichtiger als Kraft.
Verwenden Sie keine Schrauben, die zu lang sind. Sie können durch den Dübel hindurch in die Wand bohren und dahinterliegende Leitungen beschädigen. Wasser- oder Stromleitungen in der Wand sind eine reale Gefahr. Prüfen Sie vor größeren Aktionen mit einem Leitungssucher.
Wann Sie aufgeben sollten
Wenn ein Dübel partout nicht raus will und Sie merken, dass die Wandschäden immer größer werden – stoppen Sie. Versenken Sie den Dübel und spachteln Sie. Ein kleiner versenkter Dübel ist besser als ein riesiges Loch in der Wand. Diese Entscheidung rechtzeitig zu treffen, spart viel Ärger.
In Mietwohnungen sind Sie bei Auszug für Wandschäden verantwortlich. Ein ordentlich verspachteltes Loch kostet nichts. Eine zerstörte Wand kann teuer werden. Wägen Sie ab, ob sich der Kampf mit dem Dübel lohnt.
Dübel zu entfernen ist eine Kunst. Mit den richtigen Techniken und etwas Geduld gelingt es meist ohne große Schäden. In der Gastronomie haben wir diese Methoden perfektioniert – sie funktionieren auch zu Hause. Der Schlüssel ist: Kraft ist gut, aber Technik ist besser.
Probieren Sie zuerst die sanften Methoden. Steigern Sie sich nur, wenn nötig. Und scheuen Sie sich nicht, einen Dübel zu versenken, wenn alles andere fehlschlägt. Das ist keine Niederlage, sondern pragmatisch.


