Guten Tag, hier ist Markus Weber. Glasoberflächen sind schön, aber empfindlich. In 15 Jahren Gastronomieerfahrung habe ich unzählige zerkratzte Gläser, Fenster und Tische gesehen. Manche Kratzer lassen sich entfernen, andere nicht. Heute erkläre ich Ihnen, welche Methoden wirklich funktionieren und wann Sie aufgeben sollten.
Das Wichtigste vorweg: Nicht jeder Kratzer lässt sich entfernen.
Tiefe Kratzer, die Sie mit dem Fingernagel spüren können, sind meist dauerhaft. Oberflächliche Kratzer hingegen haben gute Chancen. Die Methoden, die ich Ihnen zeige, funktionieren bei leichten bis mittleren Kratzern.
Wie kratzer im Glas entstehen
Glas erscheint glatt, hat aber mikroskopisch kleine Unebenheiten. Kratzer entstehen, wenn harte Partikel über die Oberfläche gezogen werden. Sand, Metallteile oder auch Putzschwämme können Glas zerkratzen. In Restaurantküchen achten wir deshalb peinlich genau darauf, womit wir Glas reinigen.
Die Tiefe des Kratzers bestimmt, ob Sie ihn entfernen können. Oberflächenkratzer sind nur wenige Mikrometer tief und lassen sich oft polieren. Tiefe Kratzer gehen tief ins Material und bleiben sichtbar, egal was Sie tun. Eine realistische Einschätzung zu Beginn spart viel Frust.
Methode 1: zahnpasta als sanftes poliermittel
Zahnpasta enthält feine Schleifpartikel, die zum Polieren geeignet sind. Diese Methode funktioniert bei sehr feinen, oberflächlichen Kratzern. Verwenden Sie weiße Zahnpasta, keine Gelzahnpasta. Die Schleifpartikel in weißer Zahnpasta sind für diesen Zweck ideal.
Geben Sie einen kleinen Klecks Zahnpasta auf ein weiches Tuch oder Wattebausch. Reiben Sie damit in kreisenden Bewegungen über den Kratzer. Üben Sie leichten Druck aus, aber nicht zu fest. Arbeiten Sie etwa zwei bis drei Minuten an der Stelle. Wischen Sie die Zahnpasta mit einem feuchten Tuch ab und prüfen Sie das Ergebnis.
Diese Methode erfordert Geduld. Bei sehr feinen Kratzern kann sie Wunder wirken.
Bei tieferen Kratzern bringt sie wenig. Ich habe damit in meiner Wohnung schon einige Weingläser gerettet.
Methode 2: backpulver für hartnäckige fälle
Backpulver ist gröber als Zahnpasta und eignet sich für etwas tiefere Kratzer. Mischen Sie Backpulver mit etwas Wasser zu einer dickflüssigen Paste. Die Konsistenz sollte etwa wie Zahnpasta sein – weder zu flüssig noch zu trocken.
Tragen Sie die Paste auf ein weiches Tuch auf und reiben Sie damit über den Kratzer. Auch hier gilt: kreisende Bewegungen, leichter Druck, Geduld. Arbeiten Sie mehrere Minuten an der Stelle. Spülen Sie die Paste mit klarem Wasser ab und trocknen Sie die Stelle.
Bei mitteltiefen Kratzern zeigt Backpulver oft bessere Ergebnisse als Zahnpasta. Der Nachteil: Es dauert länger und erfordert mehr Kraftaufwand. Für wichtige Glasstücke lohnt sich der Aufwand aber.
Methode 3: polierpaste für professionelle ergebnisse
In der Gastronomie verwenden wir spezielle Glaspolierpaste. Diese Pasten enthalten feinste Schleifmittel, die speziell für Glas entwickelt wurden. Sie bekommen solche Pasten im Fachhandel oder online. Die Investition lohnt sich, wenn Sie häufiger Kratzer entfernen müssen.
Die Anwendung ist ähnlich wie bei Zahnpasta: Paste auftragen, polieren, abwischen. Der Unterschied liegt in der Effektivität. Professionelle Polierpaste entfernt Kratzer schneller und gründlicher. In Restaurants nutzen wir sie für hochwertige Glasvitrinen und Fensterfronten.
Folgen Sie immer den Herstelleranweisungen. Manche Pasten erfordern Nachpolieren mit einem trockenen Tuch, andere nicht. Bei sehr empfindlichen Gläsern testen Sie die Paste vorher an einer unauffälligen Stelle.
Methode 4: autopolitur für größere flächen
Autopolitur funktioniert auch bei Glas. Sie enthält feine Schleifmittel und ist für große Flächen wie Fenster oder Glastische geeignet. Verwenden Sie eine Politur ohne Wachs, das hinterlässt nur Schlieren auf Glas.
Tragen Sie die Politur mit einem weichen Tuch auf und polieren Sie in kreisenden Bewegungen. Bei großen Flächen können Sie auch eine Poliermaschine mit Filzaufsatz verwenden. Das spart Kraft und Zeit. In der Gastronomie polieren wir große Glasflächen immer maschinell.
Nach dem Polieren reinigen Sie die Fläche gründlich mit Glasreiniger. Poliermittelreste hinterlassen sonst Schlieren. Diese Methode ist arbeitsintensiv, aber bei größeren Flächen alternativlos.
Spezialfall: kratzer in brillengläsern
Brillengläser sind beschichtet und empfindlich. Die meisten Hausmittel-Methoden beschädigen die Beschichtung mehr als sie nutzen. Ich rate davon ab, Brillengläser selbst zu polieren. Gehen Sie zum Optiker – dort gibt es spezielle Verfahren für beschichtete Gläser.
Wenn Sie es trotzdem versuchen möchten, verwenden Sie nur Zahnpasta und arbeiten Sie extrem vorsichtig. Aber seien Sie gewarnt: Das Risiko ist hoch, und Brillengläser sind teuer. In meinen 15 Jahren habe ich gelernt, dass manche Dinge besser Profis überlassen werden sollten.
Was Sie niemals tun sollten
Verwenden Sie niemals Scheuermittel oder raue Schwämme auf Glas. Sie verursachen mehr Kratzer, als sie beseitigen. In Restaurantküchen ist das ein absolutes No-Go. Wer Glas mit Stahlwolle oder Scheuerpulver behandelt, macht alles nur schlimmer.
Finger weg von aggressiven Chemikalien. Säuren oder Laugen können Glas angreifen und matte Stellen hinterlassen. Bleiben Sie bei den milden Methoden, die ich Ihnen gezeigt habe. Geduld ist hier wichtiger als Aggression.
Üben Sie keinen zu starken Druck aus. Das Ziel ist Polieren, nicht Schleifen. Zu viel Kraft kann die Glasoberfläche beschädigen oder bei dünnem Glas sogar zum Bruch führen. Arbeiten Sie lieber länger mit weniger Druck.
Wann sollten Sie aufgeben?
Wenn Sie einen Kratzer mit dem Fingernagel deutlich spüren können, ist er zu tief zum Entfernen. Polieren würde nur die Umgebung abtragen und den Kratzer optisch vergrößern. In solchen Fällen akzeptieren Sie den Kratzer, oder lassen Sie das Glas professionell schleifen.
Professionelles Glasschleifen ist teuer und lohnt sich nur bei sehr wertvollen Stücken. In der Gastronomie lassen wir manchmal antike Spiegel oder historische Glaselemente professionell aufarbeiten. Für normale Fenster oder Gläser rechnet sich das nicht.
Kratzer vorbeugen – besser als reparieren
Prävention ist immer besser als Reparatur. Verwenden Sie für Glas nur weiche Tücher und sanfte Reinigungsmittel. Mikrofasertücher sind ideal. In Restaurants haben wir separate Tücher nur für Glas – niemals dieselben wie für andere Oberflächen.
Legen Sie Glasplatten auf Tischen nicht direkt auf die Oberfläche. Verwenden Sie kleine Filzgleiter oder Gummipuffer. Sand und Schmutz, die unter das Glas geraten, verursachen sonst Kratzer. Diese simple Maßnahme verhindert die meisten Probleme.
Bei Gläsern und Geschirr: Stapeln Sie Gläser nicht ineinander. Das verursacht Kratzer an der Innenseite.
Kratzer aus Glas zu entfernen ist möglich, aber nicht immer erfolgreich. Die Methoden, die ich Ihnen gezeigt habe, funktionieren bei oberflächlichen Kratzern gut. Tiefe Kratzer bleiben meist sichtbar. Eine realistische Erwartungshaltung hilft, Enttäuschungen zu vermeiden.
Probieren Sie zuerst die sanfteste Methode – Zahnpasta. Wenn das nicht reicht, steigern Sie sich zu stärkeren Mitteln. Brechen Sie ab, wenn Sie keine Verbesserung sehen. Weitermachen macht es nur schlimmer.


