Verzogene Schranktüren nerven. Sie schließen nicht richtig, hängen schief oder schleifen am Boden. Die gute Nachricht: Du kannst fast jede Schranktür selbst einstellen – ohne Fachmann und in wenigen Minuten. Hier erfährst du genau, wie’s geht.
1. Welche Scharniere hat dein Schrank?
Bevor du loslegst, musst du wissen, welchen Scharnier-Typ du vor dir hast. Die meisten modernen Schränke nutzen Topfscharniere (auch Topfbänder genannt). Diese erkennst du an der runden Metallscheibe, die in die Tür eingelassen ist.
Topfscharniere haben drei Einstellmöglichkeiten:
- Höhenverstellung – Tür nach oben oder unten verschieben
- Seitenverstellung – Tür näher zum Korpus oder weiter weg
- Tiefenverstellung – Tür nach links oder rechts justieren
Ältere Schränke haben manchmal klassische Bänder. Auch diese lassen sich einstellen, allerdings mit etwas anderen Schrauben.
2. Diese Werkzeuge brauchst du
Die Grundausstattung ist überschaubar:
- Kreuzschlitz-Schraubendreher (PH2 oder PH3)
- Inbusschlüssel (meist 3mm oder 4mm)
- Optional: Wasserwaage für perfekte Ausrichtung
- Optional: Akkuschrauber mit passenden Bits
Bei den meisten IKEA-Schränken reicht ein einfacher Kreuzschlitz-Schraubendreher. Höherwertige Schränke nutzen oft Innensechskant-Schrauben.
3. Schranktür in der Höhe verstellen
Wenn die Tür zu hoch oder zu tief hängt, musst du die Höhe anpassen.
So gehst du vor:
- Öffne die Schranktür vollständig
- Suche die Befestigungsschrauben am Scharnier (meist oben und unten am Korpus)
- Lockere beide Schrauben etwa zwei Umdrehungen
- Bewege die Tür nach oben oder unten
- Ziehe die Schrauben wieder fest
- Prüfe das Ergebnis und korrigiere bei Bedarf
Profi-Tipp: Stelle beide Scharniere einer Tür gleichmäßig ein. Sonst verzieht sich die Tür und schließt nicht sauber.
4. Abstand zum Korpus einstellen (Seitenverstellung)
Die Tür steht zu weit ab oder drückt gegen den Rahmen? Dann brauchst du die Tiefenverstellung.
Die Einstellung funktioniert so:
- Schau dir das Scharnier genau an
- Finde die mittlere Schraube (liegt meist zwischen Topf und Montageplatte)
- Drehe die Schraube im Uhrzeigersinn, um die Tür näher zum Korpus zu bringen
- Drehe gegen den Uhrzeigersinn, um die Tür weiter wegzubewegen
- Teste das Schließverhalten
Bei dieser Einstellung brauchst du oft nur minimale Drehungen. Ein Viertel Umdrehung kann schon den Unterschied machen.
5. Seitliche Ausrichtung korrigieren
Wenn die Tür nach links oder rechts verschoben ist, hilft die seitliche Verstellung.
Anleitung für die Links-Rechts-Justierung:
- Lockere die Kreuzschraube am Montageteller (die große Platte am Korpus)
- Die Tür lässt sich jetzt nach links oder rechts schieben
- Richte die Tür aus (idealerweise mit Wasserwaage)
- Ziehe die Schraube wieder fest
- Kontrolliere den gleichmäßigen Spalt zu Nachbartüren
Diese Verstellung ist besonders wichtig, wenn mehrere Türen nebeneinander hängen. Der Spalt zwischen den Türen sollte überall gleich breit sein.
6. Typische Probleme und ihre Lösungen
Tür schleift am Boden:
- Höhenverstellung nach oben
- Eventuell Bodendämpfer defekt
Tür schließt nicht vollständig:
- Seitenverstellung Richtung Korpus
- Prüfe, ob etwas im Schrank den Weg blockiert
Tür hängt schief:
- Höhe an beiden Scharnieren angleichen
- Mit Wasserwaage kontrollieren
Tür springt auf:
- Scharnier zu locker eingestellt
- Schließdämpfer defekt oder falsch justiert
Spalt zwischen Türen ungleichmäßig:
- Seitliche Verstellung beider Türen
- Eventuell Korpus verzogen (dann hilft nur Ausgleich mit Unterlegscheiben)
7. Alte Scharniere vs. moderne Topfscharniere
Klassische Scharniere (bei älteren Schränken) haben weniger Einstellmöglichkeiten. Hier kannst du meist nur die Position der gesamten Scharnier-Platte verändern. Das Prinzip bleibt aber gleich: Schrauben lockern, Position korrigieren, festziehen.
Moderne Topfscharniere bieten dir maximale Flexibilität. Jede Richtung lässt sich millimetergenau justieren. Deshalb sind sie heute Standard bei fast allen Schrankherstellern.
8. Scharniere richtig warten
Damit deine Türen lange perfekt funktionieren:
- Schrauben regelmäßig nachziehen (alle 1-2 Jahre)
- Scharniere mit Silikon-Spray schmieren (kein Öl verwenden!)
- Dämpfer prüfen und bei Bedarf austauschen
- Montageplatte auf festen Sitz kontrollieren
Ein gut gewartetes Scharnier hält 20 Jahre und länger ohne Probleme.
9. Wann du neue Scharniere brauchst
Manchmal lässt sich auch durch perfekte Einstellung nichts mehr retten. Neue Scharniere sind nötig, wenn:
- Die Dämpfung nicht mehr funktioniert
- Das Scharnier ausgeschlagen oder verbogen ist
- Die Schrauben nicht mehr greifen (ausgeleierte Löcher)
- Rostschäden sichtbar sind
Topfscharniere kosten zwischen 5 und 15 Euro pro Stück. Der Austausch dauert etwa 10 Minuten pro Tür.
Häufig gestellte Fragen
Wie oft muss ich Schranktüren einstellen? Bei Neuschränken kann nach 2-3 Monaten eine Nachstellung nötig sein (Material setzt sich). Danach reicht eine Kontrolle alle 1-2 Jahre.
Kann ich Scharniere von verschiedenen Herstellern mischen? Technisch ja, aber nicht empfohlen. Die Einstellbereiche und Qualität können unterschiedlich sein. Bleib besser beim Original-Hersteller.
Warum schließt meine Tür trotz Einstellung nicht richtig? Prüfe, ob der Korpus selbst verzogen ist. Stelle dazu eine Wasserwaage an verschiedenen Stellen an. Ein verzogener Korpus lässt sich nur schwer korrigieren.
Muss ich für die Einstellung Geld ausgeben? Nein. Mit einem einfachen Schraubendreher kommst du bei den meisten Schränken aus. Werkzeug, das du wahrscheinlich schon hast.
Wie verhindere ich, dass sich die Einstellung wieder löst? Ziehe die Schrauben ordentlich fest (aber nicht überdrehen). Bei Schränken, die viel bewegt werden, kannst du einen Tropfen Schraubensicherung verwenden.


