Berliner selber machen: Das traditionelle Silvester-Gebäck zum Jahreswechsel

Der Duft von frisch gebackenen Berlinern erfüllt die Küche, während draußen die letzten Stunden des alten Jahres verstreichen. Diese süßen, mit Marmelade gefüllten Hefebällchen sind weit mehr als nur ein Gebäck – sie sind ein Symbol für Glück und Wohlstand im neuen Jahr. In Deutschland gehören Berliner zu Silvester wie Feuerwerk und Sekt, doch die wenigsten wagen sich daran, sie selbst zu backen.

Dabei ist die Kunst des Berliner-Backens gar nicht so kompliziert, wie viele denken. Mit den richtigen Zutaten, etwas Geduld und der passenden Technik gelingen die goldbraunen Köstlichkeiten auch in der heimischen Küche. Das Beste daran: Selbstgemachte Berliner schmecken nicht nur unvergleichlich frisch, sondern lassen sich auch nach persönlichen Vorlieben füllen und verzieren.

Die Geschichte der Berliner: Tradition trifft Silvester

Die Berliner, je nach Region auch als Pfannkuchen oder Krapfen bekannt, blicken auf eine jahrhundertealte Geschichte zurück. Bereits im 17. Jahrhundert backten deutsche Bäcker diese gefüllten Hefebällchen, ursprünglich jedoch nicht zu Silvester, sondern während der Karnevalszeit.

Die Verbindung zu Silvester entwickelte sich erst später und basiert auf dem Glauben, dass runde Speisen Glück bringen. Die kugelförmigen Berliner symbolisieren Vollkommenheit und sollen dem Genießer Wohlstand im kommenden Jahr bescheren. Heute verzehren die Deutschen jährlich über 70 Millionen Berliner allein in der Silvesternacht – ein beeindruckender Beweis für die Beliebtheit dieses Traditionsgebäcks.

Zutaten und Ausrüstung: Was Sie für perfekte Berliner brauchen

Für etwa 12 Berliner benötigen Sie folgende Grundzutaten:

  • 500g Mehl (Type 405 oder 550)
  • 250ml lauwarme Milch
  • 1 Würfel frische Hefe (42g) oder 2 Päckchen Trockenhefe
  • 80g Zucker
  • 80g weiche Butter
  • 2 Eigelb
  • 1 TL Salz
  • Abgeriebene Schale einer Bio-Zitrone
  • 1 Prise Vanille

Für die Füllung und Dekoration:

  • Marmelade nach Wahl (Himbeer, Aprikose oder Pflaumenmus)
  • Puderzucker zum Bestäuben
  • Alternativ: Zuckerguss oder Schokoladenglasur

Bei der Ausrüstung ist besonders wichtig: Ein großer Topf oder eine Fritteuse für das Ausbacken, ein Küchenthermometer zur Temperaturkontrolle und ein Spritzbeutel mit dünner Tülle für das Füllen. Die Öltemperatur sollte konstant bei 170°C liegen – zu heiß und die Berliner werden außen dunkel, bleiben aber innen roh.

Schritt-für-Schritt Anleitung: So gelingen Ihre Berliner garantiert

Der perfekte Hefeteig

Lösen Sie die Hefe in der lauwarmen Milch auf und lassen Sie sie 10 Minuten gehen, bis sich Schaum bildet. In einer großen Schüssel vermischen Sie Mehl, Zucker und Salz. Fügen Sie die Hefemilch, Eigelb, weiche Butter, Zitronenschale und Vanille hinzu.

Kneten Sie den Teig mindestens 8-10 Minuten kräftig durch, bis er glatt und elastisch wird. Ein gut gekneteter Teig ist das A und O für luftige Berliner. Der Teig sollte sich vom Schüsselrand lösen, aber noch leicht klebrig sein.

Die erste Gehzeit

Decken Sie die Schüssel mit einem feuchten Tuch ab und lassen Sie den Teig an einem warmen Ort etwa 60-90 Minuten gehen, bis er sich verdoppelt hat. Im Winter eignet sich der leicht angewärmte Backofen (50°C, dann ausschalten) als idealer Gehplatz.

Formen und zweite Gehzeit

Rollen Sie den Teig auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche etwa 2cm dick aus. Stechen Sie mit einem runden Ausstecher (8-9cm Durchmesser) oder einem Glas kreisrunde Stücke aus. Legen Sie diese auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech und lassen Sie sie weitere 30-40 Minuten gehen.

Wichtiger Tipp: Die Berliner sind bereit zum Backen, wenn sie bei leichtem Antippen mit dem Finger eine kleine Delle hinterlassen, die sich langsam wieder schließt.

Das Ausbacken

Erhitzen Sie das Öl auf exakt 170°C. Legen Sie die Berliner vorsichtig mit der Unterseite nach oben ins heiße Fett – so erhalten sie den charakteristischen hellen Ring in der Mitte. Backen Sie sie 2-3 Minuten pro Seite, bis sie goldbraun sind.

Nehmen Sie die fertigen Berliner mit einer Schaumkelle heraus und lassen Sie sie auf Küchenpapier abtropfen. Die Kerntemperatur sollte mindestens 90°C betragen, um sicherzustellen, dass sie durchgebacken sind.

Füllung und Dekoration: Kreative Variationen für jeden Geschmack

Nach dem Abkühlen kommt der kreative Teil: das Füllen. Stechen Sie mit einem dünnen Messer oder einer Spritztülle seitlich ein kleines Loch in jeden Berliner. Füllen Sie Marmelade oder Konfitüre in einen Spritzbeutel und spritzen Sie etwa 1-2 TL Füllung hinein.

Klassische Füllungen

  • Himbeermarmelade – der absolute Klassiker
  • Aprikosenkonfitüre – fruchtig und nicht zu süß
  • Pflaumenmus – traditionell und würzig
  • Erdbeermarmelade – besonders bei Kindern beliebt

Moderne Variationen

  • Nutella oder Schokoladencreme
  • Vanillepudding
  • Eierlikör-Creme – perfekt für Silvester
  • Salzkaramell – für Liebhaber süß-salziger Kombinationen

Bei der Dekoration sind Ihrer Fantasie keine Grenzen gesetzt: Klassisch mit Puderzucker bestäubt, mit farbigem Zuckerguss überzogen oder zur Hälfte in geschmolzene Schokolade getaucht.

Profi-Tipps für garantiert gelungene Berliner

Die Temperatur des Öls ist entscheidend für den Erfolg. Bei zu niedriger Temperatur saugen sich die Berliner mit Fett voll, bei zu hoher verbrennen sie außen und bleiben innen roh. Ein Küchenthermometer ist daher unverzichtbar.

Achten Sie auf die richtige Teigkonsistenz: Er sollte weich und elastisch sein, aber nicht zu klebrig. Falls der Teig zu fest ist, arbeiten Sie esslöffelweise lauwarme Milch ein. Ist er zu weich, fügen Sie nach und nach etwas Mehl hinzu.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Verwenden Sie ausschließlich frisches Öl zum Ausbacken. Altes oder bereits verwendetes Öl kann den Geschmack beeinträchtigen und zu ungleichmäßiger Bräunung führen. Sonnenblumenöl oder raffiniertes Rapsöl eignen sich am besten, da sie neutral schmecken und hohe Temperaturen vertragen.

Lassen Sie die Berliner nach dem Backen mindestens 10 Minuten abkühlen, bevor Sie sie füllen. So vermeiden Sie, dass die Füllung durch die Hitze zerläuft oder den Teig aufweicht.

Aufbewahrung und Haltbarkeit: So bleiben Ihre Berliner frisch

Frisch gebackene Berliner schmecken am besten am Tag der Zubereitung. In einer luftdichten Dose bei Zimmertemperatur halten sie sich jedoch bis zu zwei Tage frisch. Lagern Sie sie nicht im Kühlschrank, da der Hefeteig dort hart wird und an Geschmack verliert.

Ungefüllte Berliner können Sie auch einfrieren und bei Bedarf auftauen. Nach dem Auftauen füllen Sie sie frisch – so schmecken sie fast wie frisch gebacken. Die Füllung sollten Sie jedoch erst kurz vor dem Verzehr hinzufügen, da sie sonst den Teig aufweichen kann.

Falls die Berliner nach einem Tag etwas trocken geworden sind, können Sie sie für 10-15 Sekunden in der Mikrowelle erwärmen. Dadurch werden sie wieder weich und schmecken fast wie frisch aus dem Öl.

Selbstgemachte Berliner für einen süßen Jahreswechsel

Berliner selber zu machen ist eine wunderbare Tradition, die Ihre Silvesterfeier zu etwas Besonderem macht. Der Aufwand lohnt sich nicht nur wegen des unvergleichlichen Geschmacks, sondern auch wegen der Freude beim gemeinsamen Backen und Naschen. Mit etwas Übung gelingen Ihnen goldbraune, luftige Berliner, die jeden Bäcker neidisch machen würden.

Probieren Sie verschiedene Füllungen aus und entwickeln Sie Ihre eigenen Kreationen. Vielleicht wird das Berliner-Backen ja zu Ihrer neuen Silvestertradition? Ihre Familie und Gäste werden begeistert sein von den hausgemachten Köstlichkeiten, die das neue Jahr mit einer extra Portion Süße einläuten. Guten Rutsch und gutes Gelingen!

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Markus Weber

Markus Weber

Markus Weber ist gelernter Koch und leidenschaftlicher Haushaltsexperte aus München. Nach 15 Jahren in der Gastronomie hat er seine Leidenschaft für einfache, alltagstaugliche Rezepte und clevere Haushaltstricks entdeckt.Markus glaubt daran, dass gutes Kochen und ein organisierter Haushalt nicht kompliziert sein müssen. Seine Tipps sind praxiserprobt und für jeden umsetzbar.Wenn er nicht gerade in seiner Küche experimentiert, genießt er Zeit mit seiner Familie und seinem Golden Retriever Bruno.

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