Mitte Mai, die Sonne scheint ins Bad – und plötzlich siehst du es: Die weißen Fugen zwischen den Fliesen sind grau geworden, stellenweise fast schwarz. Schimmel? Dreck? Egal. Es sieht einfach ungepflegt aus. Viele denken sofort: Der Handwerker muss kommen. Kostet 300 bis 500 Euro. Aber ehrlich? Das ist völlig unnötig. Verfugen ist eine der wenigen Heimwerker-Arbeiten, die wirklich jeder schafft – auch ohne handwerkliche Vorkenntnisse. Mit den richtigen Materialien und 45 Minuten Zeit bekommst du dein Bad oder deine Küche wieder zum Glänzen. Und das Beste: Du sparst nicht nur Geld, sondern merkst auch, wie befriedigend es ist, mit den eigenen Händen etwas zu reparieren.
Warum alte Fugen dein ganzes Bad ungepflegt aussehen lassen
Fugen sind wie die Zahnzwischenräume deines Hauses – unsichtbar, aber entscheidend. Sie sitzen in den Spalten zwischen deinen Fliesen und haben eine wichtige Aufgabe: Sie halten Wasser ab. Aber genau dort sammelt sich auch alles, was nicht dahin gehört. Kalk. Schimmelsporen. Seifenfilm. Mit den Jahren werden die Fugen dunkel, brüchig, unansehnlich.
Das Blöde: Dein ganzer Raum wirkt sofort älter und schmutziger, obwohl die Fliesen selbst noch tadellos sind. Eine frische, helle Fugenmasse ist wie ein Lifting für dein Bad. Alles wirkt sauberer, heller, gepflegter – sofort. Und das Gute: Du brauchst dafür keinen Profi. Du brauchst Mut. Und Geduld.
Das brauchst du: Werkzeuge und Material im Überblick
Bevor du loslegst, sammle deine Materialien. Hier ist die komplette Liste:
Material:
– 1 Sack Fugenmasse (Zement-Fertigmischung, z. B. von Knauf oder Ceresit), ca. 2 kg für ein Badezimmer
– 1 Eimer Wasser (10 Liter)
– Optional: alte Zahnbürste zum Reinigen
Werkzeuge:
– 1 Fugenkelle (Breite: 3–5 mm, ca. 8 Euro)
– 1 Fugengummi oder Fugenradiergerät (ca. 5 Euro)
– 1 Schwamm (fusselarm, wichtig!)
– 1 Bohrmaschine mit Rührquirl (optional, aber sehr hilfreich)
– Schutzhandschuhe und eine alte Kleidung
Das war’s. Gesamtbudget: 30 bis 50 Euro statt 300 bis 500 Euro beim Handwerker.
Die alte Fugenmasse entfernen – das ist die halbe Miete
Hier kommt die unbequeme Wahrheit: Den Großteil deiner Zeit wirst du damit verbringen, die alte Fugenmasse rauszukratzen. Das ist nicht schwer, aber es braucht Geduld. Und es ist staubig.
Zieh dir eine Maske an. Dann schnapp dir einen Fugenkratzer oder einen alten Meißel (notfalls geht auch ein flacher Schraubendreher). Fahre damit vorsichtig entlang der Fugen und kratze die alte Masse raus. Nicht zu wild – du willst die Fliesen nicht beschädigen, sondern nur die Fugen freilegen.
Wie tief? Mindestens 3 bis 5 mm. Je gründlicher du hier arbeitest, desto besser hält die neue Fugenmasse später.
Danach: Staub raus. Mit dem Staubsauger, mit einem feuchten Lappen, mit einer alten Zahnbürste – egal. Die Fugen müssen sauber und trocken sein. Feuchte Fugen nehmen die neue Masse nicht richtig auf.
Wusstest du? Schimmel in Fugen ist nicht einfach nur Dreck – es sind Millionen von Pilzsporen, die sich in der porösen Fugenmasse einnisten. Eine neue Fugenmasse mit Fungizid-Zusatz (z. B. Ceresit CF 76) kann das Wachstum um bis zu 10 Jahre verlangsamen. Entgegen der gängigen Meinung: Chlor ist hier nicht die beste Lösung, weil es die Schimmelpilze nur oberflächlich abtötet, nicht in die Tiefe dringt.
Die neue Fugenmasse anmischen und auftragen
Jetzt geht’s ans Eingemachte. Öffne deinen Sack Fugenmasse. Die meisten Fertigmischungen (z. B. Knauf oder Sakret) brauchst du einfach mit Wasser anrühren. Verhältnis: Check die Packung. Meistens ist es so 3:1 oder 4:1 (Pulver zu Wasser).
Tipp: Nimm einen alten Eimer und eine Bohrmaschine mit Rührquirl. Das spart dir 10 Minuten Handarbeit und die Mischung wird gleichmäßiger. Rühr so lange, bis keine Klumpen mehr da sind – die Konsistenz sollte wie Zahnpasta sein. Nicht zu dünn, nicht zu dick.
Warte 5 Minuten. Dann nochmal kurz rühren. Das nennt sich „Abbinden lassen“ und sorgt für bessere Haftung.
Jetzt die Fugenkelle. Drücke die Masse schräg in die Fugen. Der Winkel ist wichtig – etwa 45 Grad. So rutsch die Masse tief in die Spalte und verdrängt Luftbläschen. Fahre die gesamte Fugenreihe in einer Richtung ab. Oben nach unten, von links nach rechts. Konsistent bleiben.
| Fugenmasse-Typ | Kosten | Verarbeitungszeit | Für Anfänger? |
|---|---|---|---|
| Zement-Fertigmischung (Knauf, Ceresit) | 8–15€ | 30–60 Min | ✓ Ja, ideal |
| Epoxidharz-Fuge | 25–40€ | 120+ Min | ✗ Nein, tricky |
| Silikon-Fugenmasse | 5–12€ | 15 Min | ✓ Ja, aber andere Haltung |
Meine Erfahrung
Letzten Sommer bin ich mit meiner Tochter ins Bad und sie sagt: „Papa, die Fugen sehen ja aus wie im alten Kino.“ Ich war gekränkt. Dann habe ich mich überwunden und bin die Fugen angegangen. Nach einer Stunde – und ich bin kein handwerklicher Superheld – sah alles wieder aus wie neu. Meine Tochter: „Jetzt sieht es wieder aus wie daheim.“ Das war das beste Kompliment. Und seitdem mache ich das regelmäßig. Kostet nichts, dauert eine Stunde, und das Gefühl danach ist unbezahlbar.
Die Fugen glätten und überschüssige Masse entfernen
Nach etwa 15 bis 20 Minuten (vorher nicht!) kommt der Fugengummi oder das Fugenradiergerät zum Einsatz. Damit fährst du diagonal über die Fugen – nicht parallel, sonst reißt du die frische Masse wieder raus.
Der Fugengummi saugt die überschüssige Masse auf und glättet gleichzeitig die Oberfläche. Arbeite zügig, aber nicht gehetzt. Die Masse ist noch plastisch, das ist perfekt. Nach dieser Phase sollten die Fugen glatt, gleichmäßig und mit den Fliesen bündig sein.
Etwa 10 bis 15 Minuten später: Mit einem fusselarmen Schwamm und lauwarmem Wasser die letzten Verschmutzungen wegwischen. Sanfte Bewegungen. Du wäschst die Fliesen, nicht die Fugen.
Dann: Warten. Mindestens 24 Stunden, besser 48 Stunden. In dieser Zeit härtet die Fugenmasse aus. In dieser Zeit: Keine Feuchtigkeit, keine Nässe, keine Experimente.
Der Unterschied zwischen neuen und alten Fugen ist brutal
Wenn du nach 48 Stunden dein Bad betrittst, merkst du den Unterschied sofort. Die Wände wirken heller. Größer. Sauberer. Das ist kein Placebo – das ist die Wirkung von frischen, hellen Fugen. Dein ganzes Badezimmer sieht 10 Jahre jünger aus.
Und du hast es selbst gemacht. Mit deinen Händen. Das ist mehr wert als der ersparte Handwerkerlohn.
Unser Fazit
Verfugen ist nicht kompliziert – es braucht nur Geduld und die richtige Reihenfolge. Wer seine alte Fugenmasse sorgfältig entfernt und die neue Masse ordentlich verarbeitet, bekommt ein Ergebnis, das vom Profi nicht zu unterscheiden ist. Probier’s aus. Dein Bad wird es dir danken.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Alte Fugenmasse mit Kratzer entfernen, mindestens 3–5 mm tief
- Fugen mit Staubsauger und feuchtem Lappen reinigen und trocknen lassen
- Fugenmasse nach Packungsanleitung anmischen (Verhältnis Pulver:Wasser beachten)
- Mit Fugenkelle schräg (45°) in die Fugen drücken, konsistent arbeiten
- Nach 15–20 Minuten mit Fugengummi diagonal über die Fugen fahren
- Mit fusselarmen Schwamm und Wasser nacharbeiten
- 48 Stunden aushärten lassen, dann ist dein Bad fertig
Expertentipps
- Alte Zahnbürste nutzen: Nach dem Auftragen die alten Zahnbürste nehmen und damit die Fugen leicht ausbürsten – das hilft, Luftbläschen rauszubekommen
- Wetter beachten: Verfuge nicht bei direkter Sonne oder Zugluft. Die Masse trocknet dann ungleichmäßig
- Fungizid-Zusatz: Wähle eine Fugenmasse mit Schimmelschutz – kostet nicht mehr, spart dir aber Jahre Ärger
- Kleine Flächen üben: Fang mit einer unauffälligen Ecke an, nicht mit der Wand hinter der Toilette
- Fugenkelle richtig halten: Der Winkel ist alles – 45 Grad, sonst rutscht die Masse raus
Häufige Fehler vermeiden
- Fehler: Nasse Fugen verfugen: Wenn die alten Fugen noch feucht sind, haftet die neue Masse schlecht und fällt später aus. Immer gründlich trocknen lassen, notfalls mit Föhn nachhelfen
- Fehler: Zu dünnflüssige Mischung: Wenn die Fugenmasse wie Wasser ist, läuft sie aus den Fugen und wird ungleichmäßig. Lieber etwas trockener anmischen
- Fehler: Zu früh nacharbeiten: Wer nach 5 Minuten schon mit dem Fugengummi arbeitet, reißt die Masse wieder raus. Warten ist wichtig – mindestens 15–20 Minuten
- Fehler: Alte Masse nicht gründlich raus: Wenn noch Reste der alten Fugenmasse in den Spalten stecken, hält die neue nicht richtig. Das führt zu brüchigen Fugen nach wenigen Monaten


